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Mittwoch, 5. März 2014

Vincent Preis

Der Deutsche Horrorliteraturpreis, der Vincent Preis, hat u.a. die Anthologie Horror-Legionen, herausgegeben von Doc Nachtstrom, nominiert. Darüber hinaus ist Illusionen, von Torsten Scheib, als beste deutsche Kurzgeschichte, ebenfalls in dieser Antho vertreten, nominiert. Bemerkenswert auch Carmen Weinand, die mit Freakbook aus ihrer eigenen Sammlung In Dir nominiert ist - sie hat für die Horror-Legionen die Intros der Autoren verfasst.

Coole Sache, das alles.(Ach ja, in Horror-Legionen findet sich eine Story von mir.)

Horror-Legionen gibt es bei Amazon als eBook und als Taschenbuch, In Dir von Carmen Weinand ist als eBook ebendort erhältlich.

Eine Liste sämtlicher Nominierten findet sich beim Vincent Preis. Herzlichen Glückwunsch allen Nominierten!

Sonntag, 2. Februar 2014

Liebeslied auf das Visionarium

Der Beitrag stammt ursprünglich von meiner Website -> hier.

… auf die Macher des Visionarium. Ich habe die Printausgabe endlich durchgelesen und bin hingerissen. Ist ja nicht so, als ob jedes Projekt, an dem man teilnimmt und das in der Theorie schön klingt, auch so toll wie angekündigt aussieht, wenn es fertig ist.

Hier haben sich die Macher unter Chefredakteur Bernhard Reicher und Herausgeber Doc Nachstrom (eine Auflistung aller Beteiligten findet sich unter den “Links) selbst übertroffen. Angefangen von der Haptik – das Ding greift sich wunderbar an und der Gestaltung des Covers – absinthfarben und abgegriffen vergilbt, mit Anlehnungen an den Jugendstil (hoffe ich mal, ups), liegt das Magazin fein in der Hand.

Das Innere bietet Seiten, die mit “Werbung” gekennzeichnet sind, Storys, Bilder, Berichte über Magie und ein paar Dinge mehr, mit Zierrat in den Überschriften, wild durcheinander gewürfelt, ganz wie es bei den Pulps üblich war.

Jede Geschichte hat eine eigene Illustration bekommen, die Autoren werden mittels Vorwort vorgestellt (danke, Jungs, für diese überaus lieben Worte!) und mit einer Werkübersicht bedacht.

Sämtliche an dieser Ausgabe Beteiligten werden zum Schluß in Wort und Bild präsentiert, weiterführende Links sind selbstredend und wo nötig, gibt es Quellenverweise. Alles formschön gesetzt, sauber lektoriert und einfach nur mit einem wunderschönen Umschlag versehen.

Ich bin natürlich voreingenommen, immerhin findet sich eine Erzählung von mir in dem Bändchen (in der Nr. 1!!! Wie geil ist das denn!), muss aber auch als Sammler und Liebhaber des gedruckten Buchs sagen, dass mich die “Gazette für phantastische Abwege” absolut im *habenwollen* Punkt erwischt.

Ich hoffe sehr, diese rundum gelungene, perfekt ausgeglichene Mixtur, die der thematischen Vorgabe “Tod und Verdammnis” unterstellt ist, findet zahlreiche Käufer und Leser.

Die Ausgabe VISIONARIUM 1: Tod und Verdammnis ist ein kleines Juwel der Absurdität und Vielfalt im Kampf gegen den Einheitsbrei der Konzernverlage. Es ist ein Liebesprojekt und hat es verdient, viele, viele Jahrgänge lang zu bestehen. Was mich angeht, ich möchte Dutzende, Hunderte Nummern davon mein eigen nennen – das wäre endlich mal eine Magazinserie, die ich von Beginn an sammeln könnte.

VISIONARIUM 2: Illusion und Wirklichkeit erscheint im Mai 2014 …

Bernhard und sein Stab sind um Ultra-Low-Budget Bereich unterwegs und darum ist das VISIONARIUM ausschließlich – sowohl als als eBook wie als Paperback – bei Amazon erhältlich. (und nur dort. Ich weiß aus eigener Erfahrung, warum sich die Macher klugerweise auf diesen einen Vertriebsweg beschränkt haben.)

Donnerstag, 23. Januar 2014

Die Leute vom Visionarium

Visionarium 1
Hab ich im letzten Blogeintrag Werbung für das Visionarium gemacht, so mache ich das jetzt auch nochmal, weil ich es ein tolles Projekt finde und natürlich auch, weil ich eine Story drinnen stecken habe. 
Nur möchte ich diesmal zusätzlich, kurz und bündig, ein paar daran beteiligte Leute vorstellen:

Das Gesamtprojekt Visionarium:

Verlag ist die Edition Gwydion in Graz. Der Verleger/Chefredakteur ist Bernhard Reicher, seine Webauftritte finden sich -> hier und -> hier. Mal abgesehen von den Dingen, die es auf den Webseiten zu lesen gibt, besitzt er Mann ein enzyklopädisches Wissen über die Mythen-und-Sagenwelt der Steiermark, und weiß noch ein paar andere seltsame Sachen, echt freakig. Sehr sympathischer Typ.

Der Herausgeber nennt sich Doc Nachtstrom. Dieser riesige Teddybär, ist/war Musiker, Moderator, Autor, Journalist, Herausgeber, Sammler, Blogger, Comicfan, Freak. Momentan sind 4 Blogs/Websites in Betrieb, hinter denen er steht, -> hier, -> hier, -> hier und -> hier das neueste Baby. Ich kann mich aber an ein paar mehr erinnern, hab sogar noch zwei deaktivierte in meinen Feeds gefunden und weiß von einem weiteren. Ein Mann mit freakigem, ungeheuren Wissen - ich liebe ihn.

Das Lektorat des Gesamtprojekts Visionariums untersteht der Kontrolle von Juliane Ehgartner -> hier. Bin ihr zwar noch nicht persönlich begegnet, gehe aber mal davon aus, dass sie um nichts weniger sympathisch ist als die beiden Chefspinner :-)

Jörg Vogeltanz ist der Grafiker des Gesamtprojekts Visionarium - der Eraserhead (sorry, unbekannterweise). Wer er ist und was er so tut, lässt sich -> hier und -> hier entdecken.

Die Ausgabe 1: 

Die Illustratoren: Michael Wittmann -> hier, den einige von euch vielleicht von Perry Rhodan her kennen. Düstere, mystisch wirkende Arbeit von Arkis Krayl -> hier und quietschbunter Nerd-Wahnsinn von Anna-Maria Jung -> hier.

Die Autoren: Also, das wären Martin Compart -> hier, Christina Scholz -> hier und als Interviewpartner Andreas Gruber -> hier. Oh, und ich -> hier.


Das entzückend absinthgrüne, abgegriffen erscheinende Liebesprojekt namens VISIONARIUM ist als eBook und als Paperback bei Amazon erhältlich.

Soviel dazu.
Grüße, John

Freitag, 5. Juli 2013

Horror Almanach

Einfach noch mal - zur Erinnerung, zur Erstentdeckung, zur Unterstützung aller Beteiligten: Horror-Legionen - Der Almanach deutscher Horror- und Mystery-Autoren. Ein wenig habe ich schon darüber erzählt -> hier.
Das Referenzwerk gibt es sowohl als Printausgabe, satte 440 Seiten Taschenbuch für durchaus günstige Euro 12,95 -> hier oder auch als eBook, für bescheidene Euro 4,99 -> hier.

Der Grund für die Werbung ist ganz einfach - meine Wenigkeit ist ebenfalls mit einer Story darin vertreten. Und da neben dem Verleger und dem Herausgeber auch jeder der beteiligten Autoren sich darüber freuen würde, wenn sein Honoraranteil den einstelligen Centbereich überschritte - wir alle brauchen gelegentlich einen Happen Brot und einen Schluck Wasser - darum wirbt jeder der Beteiligten für das Buch. Außerdem sind wir mächtig stolz darauf und möchten unsere Freude über das Werk gern teilen. Deshalb dieses aufdringliche auf-das-Buch-hinweisen.

Außerdem wäre es ja schön, wenn sich aus diesem einmaligen Werk ein jährlich wiederkehrender Auswahlband entwickeln würde. Aber dazu muss das Werk erstmal zeigen, dass es dafür ein Publikum gibt. Schwierig im Fall der Kurzgeschichte, das ist klar, aber nicht unmöglich.

Vor allem bei der riesigen Auswahl: 26 Autoren! Das ist eine satte Ladung Urlaubslektüre und was gibt es Schöneres als am Strand zu liegen und sich mit guter Lektüre abzukühlen? Trinken? Schwimmen? Flirten? Faul sein? Nichts da. Lesen! :-)

Danke für die Aufmerksamkeit und den Erwerb des Buches ;-)

Mittwoch, 19. Juni 2013

Horror-Legionen

Horror-Legionen - Der Almanach deutscher Horror- und Mystery-Autoren
Herausgeber: Dr. Nachtstrom; ca. 440 Seiten Taschenbuch; Amrûn Verlag Jürgen Eglseer; Das Buch kann ab sofort vorbestellt werden, Auslieferung erfolgt Ende Juni / Anfang Juli.

Und warum mache ich gerade Werbung für dieses Buch? Tja, weil ich einer der beteiligten Autoren bin. Darum, ganz einfach. Eigeninteresse. Werbung für meine Autorenschaft. Weil ich die Tantiemen brauchen kann (ha ha ha, bei einer Anthologie fällt ja auch so viel ab, prust). Und natürlich auch, um einen kleinen Independent Verlag zu unterstützen, der mit einer Anthologie ein ziemliches Risiko eingeht.
Oder so ;-)
Zur Sache: Meine Geschichte nennt sich Das Haus der untergehenden Sonne, wird unter meinem Autoren-Ich John Aysa veröffentlicht und ist eine Homage an gewisse Filme, die man auf deppendeutsch übersetzt "Böse tot" nennen könnte ;-) Entsprechend wüst geht es in meiner Geschichte auch zu. Mit viel Gewalt und Obszönitäten. Klassisch eben.
Ich habe auch ein paar der anderen Texte gelesen - nicht alle, weil ich das Buch ja erstmal Händen halten will, bevor ich es von hinten bis vorne lese - und wow! Da geht es insgesamt kräftig zur Sache. Mal grausig, mal bitterböse, gewitzt ... einfach so bunt und laut und deftig.
Man kann wirklich von einem Referenzwerk des aktuellen deutschsprachigen Horror reden (sag ich mal so - aber das ist halt auch Geschmackssache).

Und noch so kurz eine private Anmerkung - Doc Nachtstrom ist ein sehr feiner Herausgeber :-)

Also, wer mal knapp zwei Dutzend deutsche Horrorschreiber erleben will, die auf 440 fetten Seiten die Sau rauslassen, hier ist eure Chance. Greift zu.

Danke für euer Interesse.

Sonntag, 25. November 2012

Rezensionen

Die letzten drei Bücher, die ich gelesen habe:

John Scalzi: Redshirts. Eine sehr komische und sehr clevere Space Opera mit verblüffender Lösung ... Scalzi ist schlicht und ergreifend gut. Längere Rezension -> hier.

  













Jeff Strand: Benjamins Parasit. Großartig. Grotesk, ekelhaft, überaus lustig, Ein Heidenspaß. Längere Rezension -> hier.















Jeffrey Thomas: Geschichten aus dem Cthulhu-Mythos. Ein sehr schönes Buch mit etlichen guten Ideen, einige Geschichten haben leider kleine Schwächen. Längere Rezension -> hier.




Freitag, 9. November 2012

Leseprobe 4

Ausschnitt aus: Alexander Ater: Sägespäne in Blut; in: Der Chirurg der Unterwelt

 Hier sitze ich nun, um von mir zu erzählen. Ich bin an einem Punkt angelangt, an dem es mir nicht mehr schwer fällt zuzugeben, dass ich Angst habe. Ich kann nicht sagen, was noch geschehen wird. Ich kann nur sagen, was mir bisher widerfahren ist, und das ist in letzter Zeit eher unerfreulich gewesen.
Und bevor die Frage aufkommt, warum ich nicht einfach zur Vordertür des Hauses hinausmarschiere und diesen grauenhaften Ort hinter mir lasse, will ich die Antwort vorwegnehmen: Es geht einfach nicht. Ich trete durch die Tür und lande im nächsten Augenblick wieder im Haus.
Ich kann nicht sagen, ob es genau das Haus ist, in dem alles seinen Anfang genommen hat, weil ich mir nach all den Wirrnissen nicht mehr sicher sein kann. Und nein, die Fenster zu öffnen und nach draußen zu springen ist unmöglich. Ich habe es probiert. Es gelingt mir nicht, selbst wenn ich versuche, mit roher Gewalt an mein Ziel zu gelangen. Ich habe keine Chance.
Vielleicht bin ich inzwischen weit von meiner ursprünglichen Welt entfernt. Möglicherweise auch nicht. Ich kenne mich schlicht und ergreifend zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr aus. Es fällt mir schwer zu erkennen, was zu meiner originalen Realität gehört und was Bestandteil einer alternativen Realität ist.
Sollte mir jemand weismachen, dass ein vielköpfiger Gott mit langen Tentakelarmen und einer Vorliebe für nackte Frauen Bestandteil jener Realität ist, aus der ich ursprünglich stamme, dann muss ich das glauben.
Ich bin bereit, so ziemlich alles zu glauben, weil ich so viele Dinge gesehen habe, dass ich einfach nicht weiß, was wahr ist und was nicht. Real, surreal, irreal – all das spielt für mich keine Rolle. Ich kann diese Zustände nicht unterscheiden. Diese Unsicherheit wirkt sich auf meine Stimmung aus, ich bin mit der Zeit schwerer von Gemüt geworden.
Das Fernsehprogramm? Das ist ein lächerlicher Gedanke. Seit wann gibt es im Fernsehen irgendetwas, das Sinn macht oder mit der Realität zu tun hat? Nicht einmal den Nachrichten kann man glauben.
Wer auch immer meine Notizen finden und sich durch das wilde Durcheinander wühlen wird, möge mir verzeihen. Aber meine Situation ist so, dass ich alles notiere, was mir im Augenblick in den Sinn kommt. Ganz egal, ob es in einer chronologischen Reihenfolge der Geschehnisse stattgefunden hat oder eine Wahnvorstellung meinerseits sein könnte, es kümmert mich nicht. Wann immer mir etwas einfällt, werde ich es niederschreiben, ohne Rücksicht auf ... die Realität. Wie pathetisch das klingt, schrecklich.
Im unwahrscheinlichen Fall, dass ich eines Tages selbst dazu kommen werde, Ordnung in das folgende Chaos zu bringen, wird es geschehen. Sonst bleibt es den Entdeckern überlassen, mit den Aufzeichnungen nach Gutdünken zu verfahren.
Meine Realität ist mit einem sich in Auflösung befindlichen Bindfaden an meinem linken kleinen Finger festgemacht. Wenn dieser Faden reißt, bin ich wahrscheinlich hoffnungslos dem Wahnsinn verfallen. Und da es so aussieht, als könne das jederzeit geschehen, sollte ich wohl mit den Aufzeichnungen beginnen, nicht wahr?
Logisch wäre es natürlich, am Anfang zu beginnen. Nun denn, so will ich logisch sein, so gut es mir möglich ist. Danach ...

Diese Ausgabe des eBooks wurde von mir aus dem Handel genommen, da sie in etwas veränderter Form (aus den 4 Bänden werden 2 Bände) an einen Verlag geht - die Neuausgabe ist für Ende Juni 2013 geplant.

Leseprobe 3

Ausschnitt aus: Alexander Ater: Der Chirurg der Unterwelt; in: Der Chirurg der Unterwelt
  
»Alter Schwede!« lauteten die letzten Worte, die von Alfred gesprochen wurden. Das unverständliche Stöhnen danach, als ihm die Axt mit einem schmatzend-dumpfen Klatschen in die Stirn schlug und seinen Schädel spaltete, konnte man beim besten Willen nicht als artikulierte Sprache bezeichnen.
Alfred blieb noch einen Augenblick stehen, spuckte erstaunlich viel zähflüssiges Blut, ging in die Knie und kippte zur Seite. Die Axt lockerte sich und der Schädelinhalt schwappte hinaus. Es sah aus wie ein schwungvoll entleerter Eimer Jauche.
Vivian sprang mit einem schrillen Aufschrei beiseite. In ihrem teuren lila Büstenhalter, unter der halbtransparenten weißen Bluse, wippten ihre üppigen Brüste aufgeregt mit und setzten sich gekonnt in Szene. Der Absatz ihrer sündteuren Stiefeletten trat auf den Auslöser und der von Rost überzogene Spieß schoss aus dem Boden.
Er traf sie genau in die Rosette, bahnte sich ungebremst seinen Weg durch Rock und Spitzenhöschen in das Innere ihres Körpers, pfählte sie. Vivian erstarrte für einen Augenblick, um dann unkontrolliert wie ein Fisch am Trockenen zu zucken.
Sie öffnete ihren Mund, um einen tierischen Schmerzensschrei auszustoßen, aber da hatte die Spitze des Pfahls ihren Kehlkopf erreicht und fuhr durch die Mundhöhle in ihr Hirn, um in einer niedlich anmutenden Explosion von Schädeldecke, Skalpfetzen, Gehirnmasse und Blut wieder ins Freie zu stoßen.
In der Zwischenzeit hatten ihre bebenden Brüste ganze Arbeit geleistet, mit erigierten Nippeln geprahlt und die Aufmerksamkeit von Frank auf sich gezogen, der seinen begierigen Blick nicht von ihnen abwenden konnte. Auch dann nicht, als das Blut, mit kleinen Bröckchen Gehirn durchsetzt, über Vivians Gesicht hinab auf die Bluse floss und die Brüste mit einem roten Schleier überzog.
Frank wich automatisch und ohne nachzudenken zur Wand zurück und startete damit einen simplen Uhrwerk-Mechanismus, der ein mächtiges Kreissägeblatt in Bewegung setzte, um ihn von den Eiern aufwärts mitten durch den steifen Schwanz in zwei Hälften zu schneiden. Einige unvergessliche Sekunden bot er das perfekte Bild einer gespaltenen Persönlichkeit.
Frank hatte definitiv die Arschkarte gezogen, denn er blieb lange genug am Leben, um die grausamen Schmerzen ungefiltert und sekundenlang zu spüren, eine unermessliche Ewigkeit. Er spürte, wie sein Körper in zwei Richtungen auseinanderrutschte, seine Innereien langsam aus den Körperhälften glitten und senkrecht zu Boden fielen und wie sich das nicht mehr all zu scharfe Sägeblatt, kleine Stücke versprühend, durch Fleisch und Knochen schnitt.
Erst als sein immer noch schlagendes Herz getroffen wurde, hörte er auf, etwas zu fühlen. Aber er konnte trotzdem noch sehen, wie das Blatt der Säge seine Nase berührte. Erst dann ließ er endgültig von seinem Leben ab und wandte sich der Frage zu, was er mit der verbleibenden Ewigkeit anfangen sollte.
Eine böse Möse und zwei egotropfende Schwänze hatten innerhalb einer Minute ihr Leben gelassen, und damit waren drei raffgierige Personen, die sich auf Kosten zahlreicher anderer bereichert hatten, nicht mehr existent.
Sie waren dazu übergegangen, Konsistenz und Erscheinungsbild ihren Ausscheidungen anzugleichen, sprich, sie zeigten erst im Tod ihr wahres Gesicht... ...

Diese Ausgabe des eBooks wurde von mir aus dem Handel genommen, da sie in etwas veränderter Form (aus den 4 Bänden werden 2 Bände) an einen Verlag geht - die Neuausgabe ist für Ende Juni 2013 geplant.

Leseprobe 2

Ausschnitt aus: Alexander Ater: Jagdinstinkt; in: Killer Klown


»Mütter der Erde, Töchter der Gezeiten, Euren Segen erbitte ich.«
Xenia schritt die letzten Meter zwischen den Bäumen über den Waldweg, die Scheinwerfer ihres Wagens als Wegweiser durch die Schwärze der Nacht nutzend. Ihr als Stadtmensch war bisher nie aufgefallen, wie dunkel die Nacht tatsächlich war, wenn es weder Straßenbeleuchtung noch hell illuminierte Schaufenster gab.
Frischer, kühler Wind strich sachte über ihre bloße Haut, gleich der Berührung einer ätherischen Hand, die sie unter dem weiten, offenstehenden Mantel sanft berührte. Der kalte Luftzug verursachte ihr Gänsehaut und harte Nippel. Gegen das unangenehme Gefühl der Kälte konnte sie nichts tun, ihr Mangel an wärmender Bekleidung war aufgrund der Umstände notwendig.
Das Schwert lag locker in ihrer linken Hand, die mattschwarze Klinge im Dunkel der Nacht kaum sichtbar. Die prächtige Scheide der Waffe, über und über mit Symbolen und Sprüchen in aufwendiger Handarbeit verziert und gestärkt, hing an einem Lederriemen lose über ihrer Schulter.
Was den Rest ihrer Ausrüstung betraf, der befand sich in kleinen Beuteln und Taschen am Gürtel um ihre Hüfte, und in einem kleinen Rucksack zwischen ihren Schultern. Wäre sie nicht halb nackt gewesen, Xenia hätte sich durchaus vorstellen können, gleich einem Ninja Richtung Domo eines verhassten Fürsten zu schleichen, um dann unbemerkt einzudringen und mit einem schnellen Schlag die darbende Bevölkerung von ihrem grausamen Herren zu befreien.
Dabei umginge sie die in solchen Fällen üblichen Wachen, die ohnehin unfähig waren. Die zwei, drei Männer, die ihr in die Quere kamen, wurden mit Wurfsternen erledigt, ehe sie mit der Selbstverständlichkeit der unbesiegbaren Kriegerin durch die Räume schritte, ihre Klinge links und rechts durch die Wände aus Reispapier stoßend. Zu beiden Seiten stürzten die dahinter versteckten Schatten schreiend zusammen, das zerfetzte Papier der Wände würde mit Fontänen von Blut eingefärbt.
Aber in Wahrheit schlich sie halb nackt in einen Park.
Die Absätze ihrer Stiefel federten über den nachgiebigen Erdboden, als sie die letzten Bäume hinter sich ließ und die weite Wiesenlandschaft betrat, in deren Zentrum ein beeindruckend großes, altes Haus stand.
Kein Domo, keine Ninja.
Das Gebäude, einer kleinen, etwas verspielten Trutzburg nicht unähnlich, sorgte mit seinen großen Fenstern und dem sich in die Nacht ergießendem Licht für ein düster-romantisches Erscheinungsbild wie aus einem anderen Jahrhundert.
Die um das Haus rasenden, auf und ab schwebenden, heulenden Gestalten zerstörten die Romantik, ließen sie zum Feuchttraum jedes todessehnsüchtigen, unglücklich verliebten Goths gerinnen. Oder zum idealen Partyplatz aller headbangenden Satanisten.
Xenia setzte behutsam einen Schritt vor den anderen, um sich nicht durch verräterisches Knacken eines kleinen Zweiges oder das Geräusch eines losgetretenen Steins vorzeitig anzukündigen. Ihre Vorsicht wurde belohnt. Sie gelangte lautlos und schnell vorwärts, näherte sich den Wiedergängern beinahe bis auf Rufweite.
Das Tattoo zwischen ihren Brüsten, ihr Schutzzauber ersten Ranges, fühlte sich warm an. Ein gutes Zeichen. Sie hatte keinen Fehler beim Erstellen des Zaubers begangen, er würde funktionieren, ihr eine Zeit lang Schutz gewähren.
Die Wiedergänger sausten vor dem Haus herum, als würden sie auf Bungeeseilen hängen. Hinter den Fenstern konnte sie Schatten erkennen. Offenbar konnten es einige Bewohner nicht lassen, ihre Warnungen zu missachten. Warum Klienten die Arbeit immer wieder schwerer als notwendig machten, war ihr schleierhaft. Dachten die Leute, sie würden um ihr Geld betrogen, wenn sie sich nicht unsinniger Gefahr aussetzten?
Ein paar Schritte noch, dann würde sie die Aufmerksamkeit der umherrasenden Kreaturen erregen.
Xenia hatte Glück. Sie erwischte, bevor sie erwischt wurde. Sie traf einen Wiedergänger im verlängerten Rücken, als er wie ein Drache im böigen Wind herumtanzte und dabei bis auf ihre Höhe sank.
Die von unten aufwärts geschwungene Klinge fuhr in seinen Arsch hoch, bahnte sich einen Weg in den Bauchraum und richtete dabei mit ungehemmter Fröhlichkeit ein Massaker an den Innereien an. Das war alles andere als elegant, aber sehr wirkungsvoll.
Der Besessene kreischte mehrstimmig auf, lenkte die Aufmerksamkeit der anderen auf sich. Trotz der Schmerzen, die diese Kreatur gerade erfahren musste, riss sie sich von der Klinge frei, wirbelte herum und starrte ihr aus milchig getrübten Augen entgegen.
»Fotze!«, kreischte er hysterisch.
Einstmals ein übergewichtiger Mann in den mittleren Jahren, jetzt ein faulig aussehendes und erbärmlich stinkendes Etwas. Er schwebte einige Schritte zurück.
Fetter, fliegender Mann, dachte Xenia. Hallo, Vladimir.
Die anderen rückten näher, kreisten vorsichtig und in großem Abstand um sie herum. Kreischend, lachend, schimpfend, tobend.
»Fotze!«, kreischte der Getroffene erneut.
Ein Ruck ging durch seinen Körper und er starrte sie verblüfft an. Der ganze Körper wabbelte und schwankte leicht.
»Ein gesiegeltes Schwert!« schrie Fettsack und musste sich heftig übergeben.
Er spuckte in hohem Bogen einen gewaltigen Strahl Schleim und fleischige Brocken aus, der Xenia nur knapp verfehlte. Es sah selbst unter diesen Lichtverhältnissen ekelig aus, vom durchdringenden Geruch und dem plätschernden Geräusch ganz zu schweigen. Das war nur unappetitlich. Es roch nach Magensäure, verwesendem Fleisch, mehrerer Wochen alter, eingetrockneter Pisse und Hühnchen.
»Waaah!« schrien die anderen, als er erneut kotzen musste und nicht mehr aufhörte, einen andauernden Strahl zu vomieren. Das mehrstimmige Kreischen ging beinahe im lauten Plätschern des Auswurfs unter. Während er sich übergab, schrumpfte der Besessene, sich heftig windend, immer mehr zusammen.
Gurgelnd und blubbernd, mit flüssig ersticktem Kreischen, kotzte er in hohem Bogen rings um sich alles voll, was er erwischte. Darunter einen seiner fliegenden Kollegen, der nicht schnell genug aus dem Weg kam und, eine Flut von Obszönitäten schreiend, davonschoss.
Schließlich war vom fetten Kotzer nichts mehr übrig außer der Kopf, der sich mit knallroten, hervorquellenden Augen selbst ausspie, bis der letzte Brocken fauliger Dämonenkotze zu Boden platschte.
Der Besessene war nicht mehr.
Für einige Augenblicke herrschte Stille. Es erstaunte Xenia immer wieder, welchen Radau ein reihernder Dämon veranstalten konnte. Schien ein kulturelles Phänomen zu sein. Die Dämonen in Japan waren beinahe dezent. Sie veranstalteten kaum Lärm. Sie ließen nur ihr langes, schwarzes Haar vor das Gesicht fallen und zeigten sich mit leichenblasser Haut und dunklen Augenringe. Sie bewegten sich ruckartig und waren wirklich gruselig. Sie waren viel konsequenter als das höllische Gesocks des Westens.
Drei, zwei, eins.
Der Moment der Ruhe war vorbei und die Besessenen fielen zurück in ihre überdrehte Raserei.
»Hexenfotze, Mörderin!« kreischte ein Wiedergänger und stürzte sich auf Xenia hinab. Sie war einmal eine Frau gewesen, eine nicht unattraktive dazu. Das war auch so eine Sache mit diesen Geschöpfen. Sie waren meist erstaunlich eitel.
Der weibliche Dämon prallte knapp einen Meter vor ihr entfernt gegen ein unsichtbares Hindernis und wurde um sich schlagend zurückgeschleudert.
»Sie benutzt einen Schutzbann!« kreischten die anderen und rasten noch schneller herum, darauf bedacht, Abstand zu halten.
Xenia legte ihre Hand auf das Tattoo. Es war heiß geworden. Sie hoffte, dass die Wiedergänger nicht mehr waren als das, was sie zu sein schienen. Einen Schutzzauber zweiten Ranges würde sie nicht errichten können, dazu fehlte es ihr an Erfahrung. Ungeübt wie sie war, würde der Bann wahrscheinlich nach hinten losgehen und ihr schwere Verletzungen zufügen.
Sie nahm mit schnellen Schritten kurz Anlauf, sprang hoch, überschlug sich und rammte dabei die Spitze ihrer Waffe in einen Besessenen, ehe sie ihn mit einem heftigen Tritt nach unten auf den Boden beförderte. Das Ding prallte auf den Rasen und explodierte in einen schmierigen Miniaturvulkan aus fauligem Fleisch und Blut, schleuderte meterlange Darmwindungen wie eine Würstchenkette durch die Luft.
Erneut kreischten die anderen jammernd auf, wichen zurück, um wieder zu versuchen, sich auf sie zu stürzen. Sie waren nicht die hellsten Dämonen. Auch hier waren die unnatürlichen Wesen aus anderen Kulturkreisen unerwartet abwechslungsreich.
Der Schutzbann hielt, doch die Wucht des Aufpralls warf Xenia auf den Rücken.
»Hexenfotze, Dreckspalte, Saufut!« kreischte es von oben herab, begleitet von irrem Gekicher und Gelächter sowie einem widerlichen Regen aus Spucke, Schleim und körperlichen Fäulnisprodukten.
Würmer, Larven und Käfer wanden sich in der Brühe, die auf ihrer Brust gelandet war. Angewidert wischte sie das Zeug von sich, rappelte sich auf, nahm ihr Schwert auf und warf die magisch gestärkte Klinge mit einer schnellen Bewegung direkt über ihrem Kopf nach oben. Der kotzende Wiedergänger wurde vom Schwert überrascht, das sich mit einer Drehbewegung in seinen Körper schnitt und diesen bis zu den Rippen in zwei Hälften schnitt.
Mehrstimmiges Kreischen wie aus einem übersteuerten Synthesizer der 1970er Jahre begleitete die fallenden Eingeweide, die sich in einem fetten, stinkenden Regen aus fauligen Darmschlingen und deren Inhalt über Xenia ergossen. Sie war gezwungen stehen zu bleiben, um ihre fallende Waffe wieder aufzufangen und mit einer schnellen Drehung um ihre Achse der Kreatur hinter ihr durch die Körpermitte zu schlagen.
Oberkörper und Unterleib fielen nebeneinander auf den inzwischen ziemlich ramponierten Boden. Nach einem Augenblick des Schocks kreischte die zerschnittene ehemalige Frau auf. Ihr Oberkörper erhob sich vom Boden in die Luft und sie torkelte auf Xenia zu, gebremst durch die Darmschlingen, die sich aus ihrem Unterleib wickelten.
Die Hexe berührte rasch ihr Tattoo mit zwei Fingerspitzen, küsste diese und streckte der Wiedergängerin die Hand entgegen, die beiden Finger vorgestreckt. Vom eigenen Schwung getragen rammte sich die Untote Xenias Finger in die Augäpfel, die Eiter sprühend zerplatzten, während die Fingernägel tief ins Gehirn fuhren und dort kräftig umrührten.
Die halbierte Besessene kreischte auf, schoss nach hinten davon und fiel zu Boden, mit den Armen heftig um sich dreschend, ihr Gesicht vom Kopf reißend, bis nichts weiter als der nackte Schädel zurückblieb. Die Schwertspitze erledigte den Rest... ...

 
Diese Ausgabe des eBooks wurde von mir aus dem Handel genommen, da sie in etwas veränderter Form (aus den 4 Bänden werden 2 Bände) an einen Verlag geht - die Neuausgabe ist für Ende Juni 2013 geplant.

Leseprobe 1

Ausschnitt aus: Alexander Ater: Chaos de luxe; in: Killer Klown


Die Landschaft, die er auf seiner Wanderung zu sehen bekam, hatte sich in den letzten Tagen nur marginal verändert. Zu seiner Linken: Dichte Wälder und Flecken von nacktem Gestein, Moosen und Bodendeckern, auf den hoch aufragenden Bergrücken. Zu seiner Rechten: Kleinere Klippen, Felsen und Geröll. Dazwischen Dünen und hohes, satt grünes Gras.
Dahinter der tiefblaue Ozean mit unruhiger Oberfläche. Gelegentliche Schaumkronen zierten die Wellen mit ihrem Tanz von Traum und Vergänglichkeit. Kreisende, kreischende Möwen, die ihre klagenden, depressiven Lieder von endloser Weite und unendlicher Einsamkeit über den Wellen erschallen ließen.
Er hätte sich zwischendurch gerne in einer der kleineren Buchten niedergelassen und seine blanken Zehen in den Sand gegraben. Auch das Meer lockte ihn, eine Runde schwimmen, nicht zu weit hinaus. Unterströmungen und Untiefen kannte er hier nicht, weit und breit war kaum jemals jemand zu sehen, der ihm im Notfall zu Hilfe eilen hätte können.
Die Vernunft gebot, auf dieses Vergnügen zu verzichten.
Es war einsam, windig und kalt.
Gelegentlich rauschte ein Auto an ihm vorbei. Die Hälfte der Fahrzeuge waren Pick-ups mit zerbeulter Ladefläche. Sie sahen abgenutzt aus. Hin und wieder gab es auch Nutzvieh auf einer umzäunten Weide zu sehen. Da und dort sprenkelte ein Hof oder eine kleinere Siedlung die schroffe Schönheit des Landes.
Von diesen wenigen Anzeichen einer Zivilisation abgesehen hatte sich hier seit der Zeit der Wikinger nicht viel verändert. Wälder und schroffe, karstige Berge dominierten. Dazwischen Wiesen, Hügel, Naturlandschaft.
Sicher kein Landstrich, in dem es leicht auszuhalten war. Man brauchte eine stoische Ruhe, um diese lethargische Melancholie wegstecken zu können, ohne ihr selbst zum Opfer zu fallen.



Diese Ausgabe des eBooks wurde von mir aus dem Handel genommen, da sie in etwas veränderter Form (aus den 4 Bänden werden 2 Bände) an einen Verlag geht - die Neuausgabe ist für Ende Juni 2013 geplant.











Donnerstag, 30. August 2012

Die Idee

Woher kommt sie? Wann kommt sie? Was passiert? Oder andersrum gefragt, wie entsteht eine Geschichte?
Am Anfang steht ein Gedanke. Ein Bild. Ein Geruch. Ein Artikel in einem Magazin. Irgendetwas, das plötzlich da ist und eine virtuelle Glocke im Hirn läutet, sich räuspert und sagt: "Wäre es nicht eine tolle Sache, wenn man daraus eine Geschichte macht?"

Sehr oft werde ich von von einer derartigen Inspiration attackiert, wenn ich mich dusche. Manchmal auch, wenn ich staubwischend die Buchregale nerve. Während der Gefechte mit dem Staubsauger werde ich hingegen so gut wie nie von kreativen Gedanken überfallen, überraschenderweise jedoch auch öfter mal beim zubereiten des Frühstücks. Dann kann es vorkommen, dass ich wie ein Wahnsinniger auf einen Zettel kritzle, während Frau und Kind elendig verhungern.

Dafür habe ich dann kostbare Stichwörter wie "Spaghettifizierung" in meinem geheiligten Notizbuch stehen. Das Wort vergammelt seit rund zwei Jahren im Büchlein und ich weiß bis heute nicht, wofür ich es verwenden soll. Aber es wird verwendet werden. Das ist fix. Denke ich. Seite über Seite mit Stichwörtern, absurden Namen, ganzen Handlungen, Entwürfen. Bla. Alles wartet darauf, aufgearbeitet zu werden.

Ideen, die nicht für eines der in Arbeit befindlichen Werke brauchbar sind, landen in einem Notizbuch. So richtig klassisch, handgeschrieben. Notizen in einer Textdatei haben leider die Angewohnheit, nie wieder hervorgeholt zu werden, ich vergesse, dass ich sie habe.
Das Notizbuch hingegen vergesse ich nicht. Dafür muss ich dann darum kämpfen, meine grauenhaften Handschrift irgendwie zu entziffern. Ich kann mein Gekrakel - ohne Übertreibung - oft nur erraten, aber nicht wirklich lesen.

Ist die Idee Bestandteil eines Textes, der schon verfasst wird, stopfe ich die Idee dazu und arbeite sie nachträglich ordentlich ein. Gehört der Gedanke zu einem Text, den es noch nicht gibt, bleibt er so lange auf der ersten Seite stehen, bis ich an die Stelle komme, wo er hinpasst. Manchmal ändert sich dadurch der Verlauf der Handlung, dann folge ich dem neuen Weg.

Bisher ist es mir nur selten passiert, dass ich eine Idee verwendet habe und nachträglich wieder entfernen musste, weil sie die Geschichte in eine Richtung verdreht hatte, mit der ich nichts mehr anfangen konnte. 

Die meisten Ideen finden früher oder später Verwendung. Gelegentlich lese ich ein Buch, in dem genau meine einzigartige, extrem originelle, nie dagewesene Idee zu finden ist. Dann überlege ich, den Autor zu klagen, denke eine Weile darüber nach und verwerfe lieber dann einfach meine Idee. Zum Glück gibt es viele davon.


Sonntag, 26. August 2012

Eigene Lieblingstexte - Erzählungen

Dieser Artikel widmet sich meinen Erzählungen. Die Romane bekommen einen eigenen Beitrag.
Am Anfang steht eine ganz einfache Frage: Habe ich Lieblingsgeschichten unter den Texten, die ich geschrieben habe? Antwort: Ja, klar. Darauf folgt auch gleich die zweite Frage: Heißt das, die anderen Geschichten mag ich nicht sonderlich? Antwort: Nein, auf keinen Fall.

Die Sache ist ganz einfach: Ich mag alle meine Geschichten. Sonst hätte ich sie nicht veröffentlicht. Ich lasse mich zwar dummerweise hin und wieder aus dem Konzept bringen oder verunsichern, aber unterm Strich ist die Sache tatsächlich so simpel: Von allen Geschichten, die ich bisher veröffentlicht habe, mag ich jede einzelne. Von der Praxis, eine Handvoll tolle Texte mit einem Stapel Füllmaterial auffetten, halte ich nichts. (Das ist eine Sache, die mich oft bei Musik-CD's rasend gemacht hat.) 

Aber natürlich gibt es immer wieder Stories, auf die man als Autor ganz besonders stolz ist. Das kann gar nicht anders sein. Es gibt Momente, da kommt alles zusammen und am Ende steht eine Geschichte, die man so nicht geplant hat und die einen selbst beeindruckt. 

Ein paar davon möchte ich hier kurz erwähnen:

Im Band Am Anfang war die Tat ist es die Titelgeschichte. Das war die erste Story, die ich in der fiktiven Stadt Criterion angesiedelt habe. (Criterion ist eine wunderbare Schöpfung, die ich selbst erst nach und nach erforschen muss. Es gibt ein paar Erzählungen von dort, weitere werden folgen, vielleicht sogar ein Roman.) Die Geschichte kommt ganz ohne Dämonen und Monster aus. Statt dessen gibt es Äxte. Und Zorn und Frust. Und viele Körperteile. Oh, und da das eine meiner Geschichten ist, findet sich jede Menge expliziter Sexkram darin.

Um mich gebetsmühlenartig zu wiederholen, ich bin auf jede einzelne Geschichte stolz, aber diese Story ist in diesem Band mein ganz persönlicher Favorit.

Im Band Ferve der Dreckfresser gibt es die sehr lange Erzählung "Expedition" auf die ich sehr stolz bin und es gibt die kürzere Geschichte "Teenieslasher", die eigentlich nur aus lesbischem Sex, mörderischem Gemetzel und zwei Ermittlern bei der Tatortbesichtigung besteht. Das zu schreiben war ziemlich erheiternd. Mir sind dabei all die sattsam bekannten Klischees aus Serialkiller Filmen im Kopf herumgespukt. "Expedition" ist wie die vorhin erwähnte Erzählung "Am Anfang war die Tat" ebenfalls in Criterion angesiedelt und unternimmt eine Reise in die Eingeweide der Stadt. Das wären die beiden Highlights, wenn ich welche auswählen müsste.

Im Band Killer Klown ist es besonders die Geschichte "Jagdinstinkt", die ich ins Herz geschlossen habe. Eine vollkommen durchgeknallte Splatterstory. Überdreht, ekelig, geil. Verdankt sehr viel dem frühen Sam Raimi. Die Geschichte soll eine Fortsetzung bekommen - ich bin einfach auf die Heldin scharf :-) "Chaos de luxe" ist ein kurzer Roman zum Thema "Wenn einer eine Reise tut...", bei dem mir die Stimmung besonders gut gefällt.

Der Band Is' was, Doc ist im positiven Sinn problematisch. Da bin ich sowohl auf die Titelgeschichte, auf die Story "Und es begab sich" sowie auf "Sägespäne in Blut" sehr stolz. Ich mag auch die vierte Erzählung, "Der Chirurg der Unterwelt" sehr gern, natürlich. Aber die Wahl zwischen den ersten drei Geschichten fällt mir schwer. Alle sind lang und schräg. Und vor allem "Is' was, Doc" enthält viel (kranken) Sex - gepaart mit Wahnsinn. Buchstäblich todschick. "Und es begab sich" ist eine alternative Schöpfungsgeschichte und "Sägespäne im Blut" ... ach, selber lesen, das ist einfacher.

Ich mag auch die Geschichten, die anderswo erschienen sind, so "Cooking Kangoo" im Super Pulp 2 von Evolver Books. Eine Science Fiction Geschichte, die immer wieder als Cyberpunk deklariert wird, was gar nicht meine Absicht war.
Und es gibt die (zum jetzigen Zeitpunkt) noch unveröffentlichte Story "Ein einfacher Tag für ein
einfaches Gemüt", die für eine Anthologie von Sven Klöpping bei p.machinery vorgesehen ist. (Das ist mein derzeitiger Stand des Wissens - ob überhaupt was aus dieser Anthologie wird, weiß ich gar nicht). Auch "Ein einfacher Tag für ein einfaches Gemüt" ist eine Science Fiction Geschichte, mythologisch-esoterisch angehaucht, durchaus derb.

Ich mag alle Geschichten, wirklich. Aber wäre ich durch widrige Umstände (Weltuntergang oder so) gezwungen, ein paar Lieblinge auszusuchen, dann wären es von den bisher veröffentlichten Werken die genannten Erzählungen.

Die Texte, die noch ihrer Veröffentlichung bzw. ihrer Fertigstellung harren, habe ich hier extra noch nicht genannt. Da wird sich erst zeigen, wo die persönlichen Lieblinge heranwachsen. Ich sage nur so viel, es gibt schon jetzt ein paar Verdächtige :-)

Und wenn ich ein wenig mehr von den Story-Bänden verkaufe, stehen die Chancen gut, bald wieder ein paar Lieblingsgeschichten auflisten zu können.

Donnerstag, 23. August 2012

Die Cover und ihr Sinn

[Dieses Posting habe ich am 15.08.2012 zuerst auf meiner Website veröffentlicht. Ich setze es hier nochmal ein, gewissermassen zur Eröffnung des Reigens.]

Warum die Cover aussehen wie sie aussehen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Ganz profan wären zwei davon. Erstens, professionelle Covergestaltung, die eine gewisse Einmaligkeit in sich birgt, ist teuer. Wenn ich etwas nicht habe, dann Geld dafür.

Vier eBook Cover
Die Cover der 4 Erzählbände
Zweitens, sich bei den frei erhältlichen Stockphotos bedienen birgt zum einen das Risiko ein Motiv zu erwischen, das auffällig oft in anderen Zusammenhängen wiederkehrt (was bei den besten und deshalb beliebtesten Bildern nicht unwahrscheinlich ist), zum anderen, das Cover wird dadurch bis zu einem gewissen Grad beliebig.

Geht man mal die angebotenen Bücher der Reihe nach durch, sieht man Klischee auf Klischee gereiht. Alles mit dem Argument, der Leser will es so. Ich weiß nicht, will es "der Leser", "die Leserin" wirklich so?

Für mich gesprochen, ich finde manch wiederkehrendes Gestaltungselement inzwischen derart abgelutscht und fad, mich schrecken diese "genormten" Cover zum Teil schon ab. Immer die gleichen Zierelemente, der gleiche Typ Model, unendlich ähnliche Schriften. Ödnis pur.

Die Geschichten, die sich hinter den Covern verbergen, sind unzweifelhaft der Ecke des Horror/Splatter zuzurechnen. Es gibt Kreaturen, Killer, Monster, Vampire, Irre und sonstiges. Es wird gemordet, gemetzelt, ausgeweidet, geblutet. Es gibt jede Menge explizit geschilderten Sex.

Die Titelbilder spiegeln all das vermutlich nur unzureichend wieder. Ziemlich sicher könnte man mit der Kombination mehrerer Stockfotos den Inhalt treffender erläutern. Was ich mit den Bildern darstellen will, ist eine gewisse Stimmung.

Das Hintergrundgelb ist als Anspielung (nicht ident!) an die Giallos gedacht, jene italienischen Schundkrimis mit gelben Umschlägen, deren filmische Gegenstücke in den Werken von Mario Bava und Co. zu finden sind.

Die Schrift passt nun, habe ich mir sagen lassen, gar nicht dazu. Sie ist zwar nicht unattraktiv, aber langweilig. Mag sein. Ich finde sie tatsächlich schön und gut lesbar und gar nicht so fad. Sie tut genau das, was sie soll: Sie ist gut lesbar. Am Bildschirm, auf Papier gedruckt. Sollte wohl das Wichtigste sein, was eine Schrift tut. Meine amateurhafte Meinung.

Allem haftet eine gewisse Trashigkeit an, ein lockerer Umgang mit Realität, Logik und Stil, gepaart mit überaus brutalen Gewaltszenen. Ich mag diese Art von Geschichten und Filmen und in den italienischen Ramschbüchern- und Filmen findet sich die perfekte Umsetzung dieses oft haarsträubenden Unfugs. Darum das Gelb. Darum auch all die anderen Elemente im Cover, Messer, rote, unecht aussehende Blutspritzer, das Model, das definitv kein professionelles Model ist. Nicht zuletzt die überdrehten, kreischenden Farben.

Nicht alle Trash-Elemente habe ich bewusst in Szene gesetzt, einiges davon ist mir - mangels entsprechender handwerklicher Fähigkeit - durchaus passiert und ich habe es dann einfach weiterentwickelt und benutzt.

Professionelle Grafiker bekommen von den Bildern vermutlich ein nervöses Augenzucken und das die Cover polarisieren, hab ich schon festgestellt - zwischen totaler Ablehnung und fröhlicher Zustimmung ist mir inzwischen alles untergekommen.

Vor allem die Ablehnung hat mich zum Zweifeln gebracht, ob es wirklich gut ist, die Bilder zu belassen, ob ich nicht besser auf Kombinationen von Stockfotos zurückgreifen sollte. Vielleicht mache ich das irgendwann mal. Erläutern zu müssen, warum die Motive so sind, wie sie sind, ist meistens ein schlechtes Zeichen. Ein falscher Eindruck verhindert durchaus auch den Verkauf des Produkts - und mal ehrlich, ich poste auch die Links zu den Büchern in diesen Blogeintrag, weil ich die Geschichten verkaufen will.

Trotz aller Kritik an den Bildern und auch in dem Wissen, dass die Cover nicht vor den Augen von Profis bestehen können, bin ich doch auch ein wenig stolz auf die Bilder. Mir gefallen sie nämlich. Sie sind - unberücksichtigt von allen anderen Dingen - einmalig, sie sind in mühevoller Arbeit selbst fabriziert und sie haben für mich ihre Existenzberechtigung.

Ob sie das tun, was sie sollen, weiß ich schwer zu sagen. Ich habe mir auf jeden Fall Gedanken gemacht. Sie sollen die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und sie sollen die wilden Geschichten verkaufen, die dergestalt angeboten werden. Die Bilder sollen sagen: He, hier gibt es Trash - Gewalt, Sadismus, Sex, Gemetzel.

Und jetzt möchte ich natürlich die zu den Bildern gehörenden Bücher voll mit guten Geschichten empfehlen (Oh, und nicht irritieren lassen, die Seitenschätzungen von Amazon liegen gut 50 Seiten unter dem, was in InDesign für ein Taschenbuch mit Standardsatz gezählt wird):

Am Anfang war die Tat: jetzt bei Amazon, bald auch in allen anderen eBook Läden

Ferve der Dreckfresser: jetzt bei Amazon, bald auch in allen anderen eBook Läden

Killer Klown: jetzt bei Amazon, bald auch in allen anderen eBook Läden

Is' was, Doc?: jetzt bei Amazon, bald auch in allen anderen eBook Läden



Der erste Eintrag

Das ist, wie soll es anders sein, der erste Eintrag im Blog. Meine bisherigen Postings haben alle auf meiner Website, Kultplatz.net, ihren Platz gehabt. Aber da ich dort gröbere Umbauten vorhabe und die Seite generell neu ausrichten will, sind die Blogeinträge hierher ausgesiedelt.

Wie der Titel "Subjektive Sicht" schon sagt, schreibe ich hier über Dinge, die mich bewegen - und das natürlich aus meiner Sicht. Einen Anspruch auf Objektivität erhebe ich nicht, das wäre langweilig und außerdem Quatsch.

Hauptsächlich, aber natürlich nicht nur, wird es ums Schreiben gehen. Schreiben von Erzählungen, Romanen, was auch immer so dazukommt. Da ich selbst schreibe, ist das wohl naheliegend. :-)

Auch Filmkommentare habe ich gelegentlich vor und natürlich Rezensionen von Büchern - hier in einer Kurzfassung, auf der Website dann ausführlich.

Soweit, so gut. Gute Unterhaltung!