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Montag, 23. Juni 2014

Das Online-Imperium Festa und was man als Autor daraus mitnehmen kann

Ich bin durch ein Leserposting auf meiner Website auf die Idee gekommen. Ist beknackt, aber lustig, weil es einen Verlag betrifft, dessen Programm ich sehr schätze und - wie ebenfalls in dem Dialog auf der Website erwähnt - ich die Festa Extrem Reihe für eine großartige Angelegenheit halte.

Außerdem gibt es ja ein neues Festa-Imprint - Deltus.de. Das ist auf SciFi und Fantasy spezialisiert - und hier sind auch die Zombiebücher gelandet, die man bei Festa vermissen könnte!!! Also für Horrorleser wie mich ebenfalls nicht zu verachten.
Und - KAIJU!!! Die bringen KAIJU Romane raus, wie geil!
.
Also, das Imperium Festa hat tatsächlich sage und schreibe 11 verschiedene Webauftritte:

Festa Verlag
-- die Website
-- der Festa eBook-Shop
-- Festa bei Facebook (gigantische Zahl von Fans, da wird sich Deltus.de plagen müssen, um auch nur annähernd an diese Zahl zu kommen)
-- Festa bei Google + (wobei da nicht ganz klar ist, ob das was wird, was aber vorläufig egal ist, da G+ wirklich nie in Fahrt kommt und wer weiß, ob das überhaupt bleibt ...)
-- Festa bei Twitter
-- Festa bei Pinterest (noch im Aufbau begriffen, noch nicht das ganze Programm dort) man sehe sich bitte die einzelnen Programmordner an - wie großartig die Cover gehäuft aussehen, das gefällt mir richtig gut)

Deltus.de
-- die Website (nach dem selben Prinzip aufgebaut wie die Festa-Site, was Sinn macht)
-- Deltus.de bei Facebook (noch in den Anfängen und hier sieht man auch schon, wie viel schwerer es ist, Science Fiction Leser zum posten/kommentieren zu bewegen als Horror-Leser)
-- Deltus.de bei Twitter (ist nicht so mein Ding, das Twitter-Zeug)
-- Deltus.de bei Tumblr (Tumblr ist in mancher Beziehung besser als Facebook)
-- Deltus.de bei Pinterest (sehr nett, das wird schon ...)

Allein die schiere Masse an Auftritten finde ich wahnsinnig. Aber gut, das muss wohl so sein, wenn man - in Teilen sicher notwendig - auf das althergebrachte, ohnehin zerbröselnde System des Buchhandels verzichten muss/will/soll. Was davon ist allerdings für einen Autor brauchbar?

Tumblr ist meinem Dafürhalten nach weit benutzerfreundlicher als FB. Es ist gwöhnungsbedürft, wohl keine Überraschung, aber man hat weit mehr Möglichkeiten mit dem Layout zu agieren, man kann fett und kursiv schreiben, man kann Links in Text einbetten, alles sehr praktisch.

Das Teilen funktioniert recht einfach und auch die Suche ist viel befriedigender. Tumblr ist stark bildlastig und eher weniger kommentierfreudig.Ich habe ein paar Feeds abonniert (Keene, Gaiman, Barker, etc...) mir einmal die Admin-Bereiche angesehen, mich aber bisher nicht dazu überwinden können, für mich selbst sowas einzurichten, obwohl es mir gefällt.

Pinterest ist ein reines Bilderspiel. Man postet und teilt Bilder, organisiert sie nach Belieben in Ordnern und hat 499 Zeichen Platz, um zu kommentieren. Das Spiel hat seinen Reiz - siehe die optische Wucht der Festa Ordner. Ein sehr nettes Spiel.

Bei beiden Gemeinschaften habe ich den Eindruck, dass es nicht so einfach ist, an Fans ranzukommen und man sehr viel Geduld braucht, um Follower zu sammeln. Außer natürlich, man hat einen Porno-Tumblr, dann geht das vermutlich sehr flott ;-) 

Was mich angeht, einen Tumblr einzurichten das reizt mich im Moment einen Tick weniger, als das Pinterest-Ding. Das gefällt mir sehr gut. Beides ist eine Frage der Zeit, eigentlich sollte ich ja schreiben. Ob man als Autor aus all dem Nutzen ziehen kann, weiß ich einfach nicht. FB hat sich für mich schon mehrmals als nützlich erwiesen, auch wenn ich phasenweise wenig hinschaue und gar nicht so oft Kommentare bekomme oder kommentiere.

G+ erscheint mir schlicht und ergreifend tot und außer automatisch Postings aus dem Blog dorthin zu verlinken, tue ich eigentlich nicht viel. Da bin ich ziemlich enttäuscht, weil ich eigentlich gehofft hatte, das würde sich als würdiger FB- Konkurrent bzw. in weiterer Folge sogar als FB-Ersatz eignen.

Wieweit eine Bilderseite für einen Schreiber wichtig/nötig/hilfreich ist, puh, das abzuschätzen tue ich mir schwer. Tumblr ist langfristig sicher brauchbar, das denke ich durchaus. Twitter, das ist eine gemischte Sache. So ganz ist diese Kurznachrichten-Geballere nicht mein Fall, aber für andere funktioniert Twitter wunderbar, Michael Marcus Thurner zum Beispiel.

Ein Blog neben einer Website macht vermutlich auf den ersten Blick mehr Sinn. Man muss nur die Inhalte aufteilen, alles doppelt zu führen ist fad und interessiert Leser, die man mal für sich gewonnen hat, vermutlich weniger. Verweisen von Blog auf Website und umgekehrt ist hingegen sehr ok.

Ach ja, da ist ja auch noch Xing ... ha ha ha, fuck it. Von den anderen Möglichkeiten, die es noch gibt, habe ich nichts ausprobiert.

Gut, also das mindeste was ein Autor braucht ist eine Website - mit Newsletter (sollte man ausprobieren, kann man ja bei mangelndem Erfolg wieder lassen) - und/oder einen Blog. FB, man kann auch ohne, da gibt es genügend Beispiele. Der sonstige Kram - das ist eine sehr persönliche Angelegenheit.

Ausprobieren sollte vermutlich alles, mit viel Geduld wenigsten 1, besser wahrscheinlich 2 Jahre betreuen und dann schauen, was unterm Strich rauskommt. Die Zeit dafür zu erübrigen ist eine ganz andere Sache, wird sich nicht immer ausgehen. Aber nur FB erscheint mir nicht sinnvoll. Aber mal schauen.

Viel Erfolg beim ausprobieren!
John

NACHTRAG: beim Teilen dieses Beitrags nach G+ hat sich der Scheiß aufgehängt und ich musste es mehrmals probieren, ehe das geklappt hat. Also, G+ ist wirklich eine eher irgendwie unglückliche, holprige Sache ... außer man heißt wohl Wil Wheaton oder Andreas Eschbach ;-)


Sonntag, 30. Juni 2013

Juni-Rezensionen

Diesen Juni sind es gerade mal 4 Rezensionen geworden. Zum einen bin ich gerade mit vielen Dingen beschäftigt, zum anderen lese ich - immer noch - im zweiten Band (die englische Originalausgabe) von George R. R. Martin - The Song of Ice and Fire aka Game of Thrones. Und das Monsterwerk braucht seine Zeit und verschlingt Lesekapazitäten - aber es ist verdammt großartige Lektüre.

Der Juni hat mir also vier Bücher beschert, von denen ich drei rundum genossen habe und das vierte nach einer anfänglichen Irritation ebenfalls als lesenswert einstufe:

  • John Everson - Ligeia: -> hier. Sehr geiles, überaus befriedigendes Buch. Meerjungfrauensplatter, sollte man nicht meinen, dass das rockt.
  • Bryan Smith - Herrin des Blutes: -> hier. Ebenfalls ein geiles Buch, mehr als ausgezeichnete Fortsetzung von Haus des Blutes -> hier. Großartiger Hexenhorror mit bombatischem Ende.
  • Brian Keene: Eine Versammlung von Krähen: -> hier. Auch dieses Buch hat mir wirklich gut gefallen, Brian Keene kann wirklich schräge Geschichten erzählen.
  • Jack Ketchum: Versteckt -> hier. Nach einer anfänglichen Irritation über den Stil des Buches bin ich ihm schnell verfallen. Beeindruckendes Nachwort.

Und wie ich in der Rezension von Ketchum schon erwähnt habe - dass Jack Ketchum der Babysitter von Lady Gaga war, das finde ich einfach nur witzig. Und ich freue mich wieder einmal darüber, dass ich die richtigen Bücher ausgewählt habe - kein Titel dabei, der mir missfallen hätte. Das wäre schade, weil ich nur ungern Bücher aufgebe, weil sie mir nicht gefallen. Aber meistens klappt es.

Montag, 24. Juni 2013

Der große Gatsby

Gatsby ist der erste 3D Film, bei dem mir das 3D Kopfschmerzen verursacht hat. Gatsby ist ein Talk-Movie. Viele mehr oder weniger attraktive Menschen bewegen sich gemächlich durch mehr oder weniger hübsche Kulissen und reden mehr oder weniger belanglosen Schrott. Dafür braucht es absolut kein 3D und Gatsby führt eindrucksvoll vor, wie man 3D vollkommen sinnlos, falsch und störend einsetzt. 140 quälende Mintuen lang.

Grundlegend ist es mit dem Film so, dass ein relativ kurzer und konzentrierter Roman, ein moderner Klassiker der Weltliteratur - Der große Gatsby von F. Scott Fitzgerald - in einen überlangen, pompösen, langweiligen und banalen Film verwandelt wurde. Es ist mir die ganze Zeit über ehrlich gesagt scheißegal gewesen, was mit den einzelnen Protagonisten geschieht, was sie reden, was sie bewegt.

Gatsby ist ein sinnloser, hübscher Film mit ein paar künstlerischen Gags, die Buz Luhrmann, der Regisseur, seit wenigsten zwanzig Jahren in immer derselben Form präsentiert. Siehe Romeo und Julia mit Leonardo DiCaprio, siehe Moulin Rouge. Ähnliche Bildgestaltung, ähnlicher Einsatz von Musik, ähnliche Degradierung (zur Belanglosigkeit) von Stoffen mit großem dramatischen Potential als Aufhänger für hübsche Bilder.

Der große Gatsby in dieser Verfilmung ist ein Schnarchnasenfilm. Sehr schön, aber unendlich öde und erweckte in mir zwischendurch mehr als einmal die Lust, Tobey Maguire das blöde Grinsen aus dem Gesicht zu wischen. Zumindest in dem Film hat er keinen anderen Gesichtsausdruck, selbst wenn es in einzelnen Momenten noch so fehl am Platz ist, dieses dämliche Grinsen.

Die ohnehin sehr ausgedünnte, banalisierte Geschichte wird durch das 3D noch weiter in den Hintergrund gerückt, weil die Optik die Kontrolle übernommen hat und sich stolz präsentiert. Wirklich wunderschön, da gibt es nichts zu meckern daran, aber herrje, ein wenig mehr vom Drama wäre ganz nett gewesen. Aber nein, weil das 3D so schick ist, pissen wir selbst in der belanglosesten Szene eine dritte Dimension über das Bild, schwenken dazwischen immer wieder bedeutungsschwer über eine Plakatwand, die mehr an George Orwell als an sonstwas erinnert und lassen den durchaus fähigen Cast in kitschig-kühlen Bildern erstarren, unfähig, irgendeine Emotion zu wecken.

Es hat schon seinen Grund, warum 3D für Actionszenen tauglich ist, für rasante, schnelle Szenen, in denen viel passiert und sich viele Dinge in alle möglichen Richtungen bewegen. In diesem Momenten kann man als Zuseher sein Bewusstsein abdrehen und sich einfach auf das konzentrieren, was man sieht.

Wenn ich mich aber auf Dialog, Mimik, Körpersprache und Details konzentriere, um einer dramatischen Szenen zu folgen, um das Drama in mich aufzunehmen, dann ist 3D wohl die größte nur vorstellbare Störung. Genau diesen Störeffekt führt uns Regisseur Luhrmann gekonnt vor. Über die ganze Filmlänge. Bravo.

Man stelle sich vor, The Straight Story (dieser wunderbare David Lynch Film über den alten Mann, der mit dem Rasenmäher durch zwei US-Bundesstaaten reist, um seinen kranken Bruder zu besuchen), wäre in 3D gedreht worden. Sinnlos. In ganz normalem 2D sehen wir einen Film, in dem noch weniger passiert, noch weniger Drama vor sich geht als in Gatsby. 

Wir verfolgen zwei Stunden lang einen alten Mann, der auf seinem Rasenmäher über die Straßen tuckert, da und dort kampiert, Leuten begegnet, mit ihnen redet, seinen Erinnerungen nachhängt - und diese nur erzählt! Nichtmal das wird uns in Bildern präsentiert, sondern nur in Worten. Und trotzdem - The Straight Story ist der weit bewegendere, ergreifendere, schöner anzusehende, spannendere, packendere Streifen. Er konzentriert sich einfach auf die Geschichte. Punkt.

Gatsby hingegen konzentriert sich rein auf seine Schauwerte. Hier geht Fassade vor Inhalt. Kennt man das Buch nicht, stellt man sich nach Betrachtung des Films die Frage, wie so ein bedeutungsloser, oberflächlicher Scheiß von einem langweiligen Buch auch nur im Ansatz Weltliteratur sein kann. Gatsby als Film zeigt mir nichts von Menschlichkeite, nichts von Schwächen und Stärken, nichts davon, wie Handlungen eines Einzelnen das Leben Dutzender bewegen kann. Oh, ein klein wenig geht es um Kapitalismus, der eher positiv gesehen wird. Dieser Moment der Tiefsinnigkeit - wenn man das mal sehr vorsichtig so ausdrücken will - dauert einige wenige Augenblicke lang. Tja. Aber sonst ist da nichts außer schönen Bildern.

Der große Gatsby ist ein hohler Film, der eindrucksvoll zeigt, wie sinnlos 3D zum Einsatz gebracht werden kann. Hm, das ist ja eigentlich auch nicht schlecht. Nur das wollte ich eigentlich nicht sehen.

Freitag, 31. Mai 2013

George R. R. Martin: A Game of Thrones

Ich verzichte darauf, eine Inhaltsangabe zu zitieren und gehe davon aus, dass die halbe Welt ohnehin weiß, worum es bei Game of Thrones geht. Was die andere Hälfte der Welt betrifft – lasst euch darauf ein, ihr habt keine Idee, was für ein grandioses Werk ihr da versäumt :-)

Bis zu diesem Monat habe ich darauf verzichtet die Romane zu lesen, obwohl sie schon seit vielen, vielen Jahren bei mir herumstehen. Als Hardcover, wie sie bei Bantam ab 1996 erschienen sind. Die Titelbilder der ersten drei Ausgaben stellen irgendwie eine Art von milden Spoilern dar. Sie verraten zwar nichts konkretes zum Inhalt, aber sie lassen einen Schwerpunkt erkennen.
George R. R. Martin - A Game of Thrones
Das Lesen wollte ich erst in Angriff nehmen, wenn George R. R. Martin (Website, Blog) – dessen frühere Werke wie z.B. Fiebertraum ich übrigens auch empfehlen kann – mit dem Monster von Zyklus fertig ist. Ich wollte auch darauf verzichten, mir die Serie anzuschauen, die wollte ich erst dann sehen, nachdem ich mit den Büchern fertig war.

Aber es kam anders: Ich musste aus reiner Notwehr umschwenken. Ich lese die Bücher und schaue mir die Serie an – gleichzeitig. Zwei Episoden pro Woche, täglich wenigstens ein paar Seiten. Es war kaum mehr möglich Spoiler zu vermeiden. Überall gab es Inhaltsangaben zu den Episoden, Intgerviews mit Martin und Darstellern, Kritiken zu den Büchern, Entsetzten zu diesem und jenem – ein Albtraum, all das auszublenden. Also Flucht nach vorn und beides in Angriff genommen.

Aber ich lese die englischen Ausgaben und schaue mir die Serie in Englisch an. Auf das Erlebnis der umstrittenen deutschen Neuübersetzung mit ihrer Wut der Eindeutschung verzichte ich. Es gab eine alte Übersetzung der ersten paar (deutschen) Bände, die war diesbezüglich verträglicher.

Der erste Originalroman besteht in der deutschen Übersetzug aus den ersten beiden Büchern – die Neuausgaben sehen recht hübsch aus, immerhin – und umfasst ziemlich genau die erste Staffel der großartigen Serie.

Martins Englisch ist durchwegs elegant und gehoben, was diesen üppigen, vom Format her übergroßen Ziegelstein – das heißt, auf einer Seite findet sich bedeutend mehr Text als bei einem herkömmlichen Hardcover üblich – nicht unbedingt schnell und einfach lesbar macht – aber ein irrsinniges Vergnügen darstellt. Die Titelanzahl, die ich diesen Monat geschafft habe, ist so gering wie seit langem nicht mehr - was den Umfang angeht, da hat sich ganz und gar kein Minus aufgetan.

Die Dialoge sind gewitzt, die verwendete Sprache mischt unbekümmert, aber stets passend eine moderne und eine veraltete Begrifflichkeit und entwickelt so einen Sog, aus dem man nur schwer wieder rauskommt. Es ist nahezu enttäuschend, wenn man das Buch zuschlagen muss, um sich wieder der Realität zu stellen.

Faszinierend, wenn man Serie und Roman unmittelbar miteinander vergleicht, ist der Unterschied, welches Medium auf welche Details die Schwerpunkte legt. So sind Dinge, die in den Episoden eine enorme Dramatik entwickeln, im Buch beinahe beiläufig geschildert und umgekehrt.

Auch der Detailreichtum des Romans ist beeindruckend und wer nur die Serie kennt, beginnt erst über den Roman verschiedene Vorgänge klarer zu sehen beziehungsweise bekommt durch Schilderungen von Gedanken und Handlungen einzelner Personen erst so richtig Klarheit, warum was passiert.

Uff, ist das mühsam, irgendwas zu schildern, ohne für jene Leser, die dieses herausragende Vergnügen der Lektüre noch vor sich haben, einen Spoiler einzubauen. Auch wer die Serie schon gesehen hat, egal, unbedingt die Romane lesen!

Die erste Staffel hält sich noch sehr genau an das Buch, im zweiten Roman, den ich gerade lese, weicht die Serie schon erkennbar ab und muss des enormen Umfangs wegen auf immer mehr Details verzichten. Die Serie wird sich dadurch zwangsläufig immer weiter vom Buch fortentwickeln. Das ist – und das meine ich wirklich so – genial. Auf diese Art bekommt man mehr oder weniger zwei Geschichten aus parallelen Welten präsentiert.

A Game of Thrones zu lesen beansprucht ungefähr die Zeit, die je nach Umfang zwischen zwei und vier durchschnittliche Genrebücher in Beschlag nehmen. A Game of Thrones ist aber auch um einige große Stufen befriedigender und degradiert so manches Fantasybuch zu einem Witz, was die Komplexität von Geschichte und Figuren betrifft.

Um mich zu wiederholen: geniale Lektüre. Spannend, vollgestopft mit Details, blutig, grob, komplex, dicht. Auch wenn er zwischendurch mal in einer Sackgasse gelandet war und Änderungen durchführen musste, wenn es ewig bis zum bisher letzten Band, Nummer fünf, gedauert hat, das spielt keine Rolle. Die Serie ist ein Meisterwerk und der Geist, der diesen Wahnsinn erdacht hat, genial.

Hut ab, GRRM!

Samstag, 25. Mai 2013

Erinnerungen und Sammlungen

Heute habe ich eine kurze Schilderung darüber gehört, wie jemand, der vor längerer Zeit - hauptsächlich in den 1980er Jahren - für vielleicht zehn, fünfzehn Jahre in bescheidenem Umfang sowas wie ein bekannter Name war - jemand anderen angefaucht hat, weil der Betroffene nicht wusste, wer er war.
Diese offenbar übellaunige, bissige, misanthrope und verbitterte Person brüstete sich in der kurzen Konfrontation mit einer riesigen Sammlung von Büchern, die sie ihr eigen nennt und ... was wollte ich jetzt sagen? Ach ja, also weil mir dieser kurze Erlebnisbericht nochmal in den Sinn gekommen ist, sind mir dazu folgende, im Grunde simple, Gedanken durch den Kopf gegangen.

Ich habe mein erstes "Erwachsenenbuch" gekauft, da war ich ungefähr, elf, zwölf Jahre alt, was nun schon eine Ewigkeit her ist, Wahnsinn, Jahrzehnte sind vergangen. Fuck, ich werde alt.
Das Buch war ein Roman von Alan Dean Foster - Die denkenden Wälder. Tolles Buch gewesen, gut gealtert, auch heute noch lesbar - wie alle früheren Romane des Homanx-Zyklus. Bei den späteren Bänden, die zum Teil aber chronologisch früher angelegt sind als die frühen Werke, ist das anders, da ... das führt jetzt zu weit und geht am Thema vorbei, sorry.

Das zweite "Erwachsenenbuch" - Jugendbücher* hatte ich davor schon selbständig immer wieder erworben - war dann ebenfalls ein Foster - Alien, der Roman zum Film. Heilige Scheiße, was hab ich mich dabei gefürchtet. Ich glaube, nur die Lektüre vom Friedhof der Kuscheltiere hat mich danach mehr in Angst versetzt.

Kurze Geschichte zur allgemeinen Erheiterung: Ich habe dann - also nach Alan Dean Foster, einen Stapel Science Fiction Taschenbücher erworben, die aus dem Moewig Verlag stammten, ein blaues Rundumcover mit einem oft wenig zum Inhalt passenden Titelbild zur Schau trugen und mit den Worten "Playboy Science Fiction" geschmückt waren.
In meiner Naivität - frühe 1980er Jahre, ich ging noch zur Schule - dachte ich echt, das wären alles utopische Romane mit viel Sex drinnen - was wusste ich in dem Alter, wer Philip K. Dick war? (Die Bücher waren optisch eher wenig gefällig, aber die Titelauswahl war ausgezeichnet, eine tolle Reihe oft anspruchsvoller Romane.)
Dann borgte mir ein Schulfreund die Josefine Mutzenbacher und was soll ich sagen... das war Aufklärungslektüre der allerfeinsten Sorte! (Auch der Simmel, den ich zu der Zeit bei meinen Eltern aus dem Regal geschnappt hatte und in dem seitenweise Schilderungen von Brustwarzen vorkamen, der hat mich so einiges gelehrt - herrje, war das aufregend) Und Philip K. Dick liebe ich heute. Und wenn Romane viel Sex beinhalten, freue ich mich auch noch darüber.

So, zurück zum Thema. Alan Dean Foster war, da bin ich mir sicher, mein Einstieg in das Sammeln von Büchern. Science Fiction, Fantasy, Horror. Gelesen und gehortet. Ich habe sehr schnell sehr viele Bücher gehabt und in dem Zimmer, das ich mit meinem Bruder geteilt habe (der konnte nie was mit Büchern anfangen, was unvorstellbar war für mich), war bald kein Platz mehr, so sind die Bücher in Stapeln in Kästen im Abstellraum gelandet, gleich beim Werkzeug. In bestem Zustand, gelesen, gemocht, fein säuberlich in Stapeln wegsortiert.

Wie wir alle bin ich älter geworden, ausgezogen, habe ein durchschnittlich langweiliges Leben voll der üblichen Irrungen und Wirrungen geführt, das mir so nebenbei etliche Umzüge mehr beschert hat, als mir lieb gewesen wären. Die ersten paar Mal war das Übersiedeln kein Problem, aber im Laufe der Zeit wurde es immer mühsamer, weil die Zahl der Bücherkartons gewachsen ist.

Kurzer Einwurf: Beim letzten Umzug vor rund fünf Jahren hat mich einer der Möbelpacker, nachdem sie rund hundertfünfzig Bücherkisten in die Wohnung geschleppt haben, keine Kartons, sondern die Transportkisten, wie sie im Buchhandel verwendet werden, gefragt, ob ich denn verrückt sei? Gute Frage.

Weiter: Der Mühen wegen habe ich begonnen, mich immer wieder von Exemplaren zu trennen. Durchschnittliche Wohnung, ein halbes Dutzend Billy Regale in Doppelreihen randvoll. Größere Wohnung, mehr Bücher, eigenes Haus - sehr viel mehr Bücher, zurück in eine Wohnung und wieder weniger Bücher, kleinere Wohnung, noch mehr Bücher weg, größere Wohnung, etwas mehr Bücher, Vater geworden, viel weniger Bücher.
Von den siebzehn Billy-Regalen, die ich derzeit in Beschlag genommen habe, sind fünfzehn Regale mit Büchern gefüllt - doppelreihig, die Häfte der Regale mit Aufsatz und Zusatzbrett.

Wenn ich nachgrüble - ich habe immer die Stückanzahl gezählt, von der ich mich getrennt habe - sind alleine bei den letzten beiden Übersiedlungen rund viertausend (4000) Science Fiction, Fantasy und Horrorbücher aus meinen Regalen verschwunden. Für das, was ich noch habe, ist eine Zählung ausständig. Und eine vernüftige Schlichtung.

In den letzten Jahren habe ich etliche private Sammlungen begutachten können und öfter gehört, wie Leute voller Stolz von ihren Massen an Büchern erzählen, die sie zusammengetragen haben. Wenn ich dann höre, wie sie von zweitausend, dreitausend Stück reden, kann ich nur lächeln.

Wenn ich nachrechne, was ich bisher in meinem Lebens an Büchern abgestoßen habe, dann würde ich heute eine Bibliothek von geschätzten fünfzehntausend Titeln mein eigen nennen - konservativ geschätzt. Natürlich gibt es beträchtlich größere Sammlungen, pah, keine Frage, exquisitere Sammlungen, selbstredend. Nur geht mir diese Angeberei auf die Nerven, dieses Posaunen, wie wertvoll doch das ist, was man an Büchern daheim stehen hat.

Pah, Quatsch. Wertvoll für den Sammler allein, für sonst niemanden. Ich habe immer noch etliche teure, signierte, limitierte, nummerierte Bücher daheim rumstehen, die schon lange nicht mehr zu kaufen sind, und wenn man für solche Titel mal auf eBay oder Abebooks nachschaut, ha ha ha. Wertvoll, lächerlich! Die Realität sieht anders aus.

Wie vorhin gesagt, habe ich etliche Sammlungen gesehen, über einige etwas gehört und von all diesen Privatbibliotheken habe ich nur zwei Sammlungen als bemerkenswert angesehen (na gut, es waren drei, aber die dritte zählt nicht, die hat mir nur gefallen, weil sie sich über weite Stecken mit meiner Sammlung gedeckt hatte):

Die eine Sammlung gehört(e) einem nicht mehr ganz jungen Herren, den wir kurz und bündig HM nennen. Bestens gepflegte Bücher in erstklassigem Zustand, obwohl einige schon Jahrzehnte auf dem Buckel hatten (wir reden hier von Taschenbüchern, Science Fiction, Fantasy, Horror; von englischen Magazinen, die teils noch aus den 1950er Jahren stammen). Diese Sammlung war höchst fokussiert auf einen Schwerpunkt - die Science Fiction Kurzgeschichte - und das hat sie so bemerkenswert gemacht. Eine konsequente Sammlung, genauso konsequent und pedant geordnet. Man sollte gar nicht glauben, in welchen Mengen Kurzgeschichten erschienen sind. Und wie wenig die Kurzgeschichte im deutschsprachigen Raum heute geschätzt wird. Arg.

Die andere Sammlung gehört(e), nennen wir ihn AV. Diese Sammlung zeichnet sich durch eine enorme Breite aus, die weit über das Genre hinausgeht und die in ihrer Breite wiederum konsequent und in sich logisch ist. Und dieser Sammler hat wirklich alte Bücher und Raritäten und da bleibt mir immer wieder der Mund offen, wenn ich sehe, was der Mann hat - natürlich ist das Ganze materiell in dieser unserer doch eher kulturlosen Zeit nicht mehr viel wert, aber Mann! Jeder, der alte in Leder gebunden Bücher mit Goldschnitt und Prägung zu schätzen weiß, oder einen Sinn für die "Groschenromane" des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts hat, sehr, sehr schön. Eher chaotisch und nur rudimentär geordnet, das alles.

Was zeichnet eine gute Sammlung eigentlich aus - wobei "gut" ein extrem relativer Begriff ist. Aber ich sehe das so: Bei einer guten Sammlung lernt man was über die gesammelte Materie. Bei Büchern wäre das zum Beispiel - Trends und Zeitgeist in Inhalt und Gestaltung. Sieht man sich Sammlungen an, die über Jahrzehnte entstanden sind, dann lässt sich sowas durchaus erkennen. Ein überaus markantes Beispiel dafür ist für mich die Gestaltung der Heyne Science Fiction Taschenbücher, an deren Covern, Papierwahl, Innenillustrationen etc. oft genug die Entstehungszeit erkennbar ist. Jahrzehnt für Jahrzehnt.

Was diese beiden vorhin erwähnten Sammler gemeinsam haben - keiner ist so großkotzig, damit zu prahlen, wie viele Bücher sie haben/hatten - zumindest habe ich das nie erlebt. Und das zeichnet sie mich aus: Sie gehen/gingen ihrer Leidenschaft nach und haben sich mit dem beschäftigt, was sie fasziniert und interessiert hat, ohne der Welt kundtun zu müssen, wie toll sie doch sind und wie belesen und ach, was für eine Arbeit das doch ist, diese Sammlung über viele Jahre hinweg zusammenzutragen.

Blubber. Wer das Glück hatte, immer genügend Platz und Geld zur Verfügung zu haben, der hat es nicht schwer gehabt, seine Sammlung zu erweitern. Mit den nötigen Ressourcen lässt sich leicht sammeln. Das Getue ist pure Angeberei - sowas wie die Männer mit Schmerbauch und Glatze, die knallrote Sportcabrios mit fünfhundert Pferdestärken fahren. *rofl*

Sammeln ist eine Selbstbefriedigung, eine Triebbefriedigung, eine höchst egoistische Angelegenheit wie onanieren und masturbieren. Darüber redet man ja auch nicht andauernd - äh, na gut, also, wenn man mal die zahllosen einschlägigen Tumblr-Blogs hier ausklammert, dann stimmt meine Aussage, hüstel ;-)

Ich glaube, das hier ist ein hübscher kleiner Rant geworden, den ein Spinner ausgelöst hat, der seine eigene Sammlung von Büchern erwähnen musste, um sich wichtig zu machen. Es ist im Grunde eine völlig uninteressant, banale Begegnung, die ein Bekannter mit einem uninteressanten Menschen hatte - aber wie der überstrapazierte Schmetterling, dessen Flügelschlag in Europa in Japan ... bla bla bla, so haben die Äußerungen dieses Kerls bei mir den Wunsch ausgelöst, das hier niederzuschreiben.

Ich habe diesen Typen zweimal gesehen und beobachtet, aber nie mit ihm gesprochen, weil er es nichtmal für wert befunden hat, auch nur seine Augen in meine Richtung zu drehen, obwohl wir stundenlang mit zahlreichen anderen Leuten im selben Raum waren. Berechtigte Frage: Warum bin ich nicht auf diesen Menschen zugegangen? 1) Mir fällt es sehr schwer, auf mir unbekannte Menschen zuzugehen. 2) Ich meide Leute, die eine spürbar miese Aura verbreiten. 3) Ich würde mich selbst eher als misanthrop bezeichnen, meine Frau nennt mich gelegentlich "mein kleiner Autist" (dabei bin ich größer als sie, mhm), also nein, ich war nicht darauf aus, jemanden, der mich abschreckt, anzusprechen. Was soll's. Und meinstens sind mir solche Miesmuscheln ohnehin scheißegal, nur hin und wieder geht mir eine unter die Haut.

Es gibt auch noch eine zweite Konfrontation, die jemand anderer, den ich sehr schätze und den als Freund sehen würde, mit diesem Menschen erlebt hat und die sich wunderbar ins Bild einfügt und die negative Ladung dieses Menschen bestätigt. Scheißegal, aber wie der Schmetterling es will ...

Heute bedauere ich es, all die Bücher, von denen ich mich getrennt habe, nicht mehr in meinem Besitz zu wissen. Sie waren sowohl materiell wie zum Teil sicher auch inhaltlich gesehen nicht wertvoll, obwohl als Schüler mit bescheidenem Taschengeld mein Gesamtvermögen in ihren Erwerb geflossen ist.
Für mich waren Bücher mein ganzes Privat- und Berufsleben stets von elementarer Bedeutung und ich finde es jetzt und heute schade, verschiedene Bücher wie die sechs Bände der "roten Sonja" - im Grunde haarsträubend banale Fantasyromane, nicht mehr im Regal zu haben.
All die Verflossenen waren mir viele Jahre wertvoll, dann habe ich sie weggetan, weil ich sie für überflüssig erachtet habe und jetzt finde ich sie wieder wertvoll.  Oh Zeiten, od Geisteshaltung.
Aber ich bin deswegen weder sauer noch vergrämt oder verbittert - nein. All das ansammeln und abstoßen von Büchern hat zum jeweiligen Zeitpunkt seine Richtigkeit gehabt und darüber zu jammern oder damit zu prahlen, was ich noch habe oder hatte, das erscheint mir dämlich.

Hm, habe ich das nicht gerade getan? Nein, ich denke nicht, weil ich weiß, was meine Sammlung für enorme Lücken hat und weil diese Bücher, zumindest so lange sie bei mir daheim sind, einfach nur einen normalen Bestandteil meines Lebens darstellen, aber nichts, worüber ich großkotzen muss.

Wollte ich wirklich prahlen, dann würde ich damit angeben, dass meine Tocher mit noch nichtmal vier Jahren mehr Bücher hat und diese eifrig auf die dafür vorgesehene Weise zu nutzen weiß (Bilder anschauen, Zusammenhänge erkennen, sich vorlesen lassen), als viele Erwachsene ihr ganzes Leben lang gelesen haben. Mal sehen, wie das beim zweiten Kind wird.

In diesem Sinne erkläre ich die Tirade hiermit beendet. Vielen Dank :-)

Dienstag, 1. Januar 2013

Was tun mit Ideen

Notizen machen. Total wichtig, sogar überaus wichtig. Jeden Tag drängt die eine oder andere Idee ins Bewußtsein, und wenn man sie nicht notiert, ist sie trotz aller Vorhaben so schnell wieder verschwunden, dass man sich manchmal nicht einmal daran erinnern kann, sie gehabt zu haben. Aber die Idee war da.

Vielleicht war sie lächerlich, dämlich, genial, brauchbar, totaler Bockmist, was auch immer. Aber sie war da und sie hat es verdient, notiert zu werden. Denn das Schöne an Ideen ist, wenn man ein Reservoir davon hat, kann man darangehen, sie auf Brauchbarkeit zu durchforsten oder sie auszumisten. Man kann hergehen, sie nehmen und verändern, bis sich daraus eine brauchbare Geschichte formen lässt.

Ideen haben die Konsistenz von Träumen. Sie sind flüchtig. Sie sind bizarr, surreal und können die gesamte Bandbreite von Emotionen ansprechen. Und sie kosten nichts. Ideen gibt es für lau in unbegrenzter Stückzahl. Die Menge sagt natürlich nichts über die Qualität aus, aber je mehr Ideen, umso wahrscheinlicher, dass sich Stoff für einen Roman darin befindet. Man muss nur suchen.

Das ist auch einer der Gründe, warum so gut wie alle professionellen Autoren ablehnend verhalten, wenn jemand auf sie zukommt und ihnen eine Idee unterbreiten will. Jeder Profi hat seine eigene Sammlung von Ideen – meist mehr, als er auf Jahre hinaus braucht. Er ist nicht darauf angewiesen, dass ihm jemand Gedanken anbietet. Es ist auch einer der Gründe, warum Autoren im Normalfall davor zurückscheuen wie der Teufel vor Weihwasser, das Manuskript eines anderen Schreibers zu lesen und zu bewerten. Wenn ähnliche Ideen darin vorkommen wie in den eigenen Texten, wird es problematisch.

Weil wir Menschen uns in immer gierigere und neidigere Arschlöcher verwandeln, wird alles patentiert, gesichert, wird jeder und alles für alles und nichts geklagt und vor Gericht gezerrt, um wie eine Zitrone ausgepresst zu werden. Welcher Autor will das schon riskieren – und soll sich wirklich ein Profi auf eine mündliche Zusage von jemand anderem verlassen? Ha ha ha, guter Witz, selten so gelacht.

Nein, Ideen haben alle Autoren und Schriftsteller. So. Abgeschweift. Was also soll der Nachwuchsautor machen? Ganz einfach, er führt zu jeder Zeit des Tages ein Notizbuch mit sich und schreibt sofort drauflos, wenn er eine Idee hat. Es ist, wie oben gesagt, vollkommen egal, ob die Idee haarsträubend oder nobelpreisverdächtig ist. Es ist eine Idee. Man nimmt sie, begutachtet sie auf eine brauchbare Geschichte, schleift, formt, bearbeitet sie, bis ein solides Gerüst für eine Geschichte geformt ist. Oder man schmeißt sie in den Müll.

Wenn ich einen groben Überschlag vornehmen müsste, wie viele Ideen ich für Romane und Geschichten habe, dann würde ich schätzen, ich habe genug Stoff um mich bis zum Jahr 2020 versorgt zu wissen, selbst wenn ich ab heute keine einzige Idee mehr habe. Stephen King hat einmal erwähnt (ist schon ein paar Jahre her und ich kann leider absolut nicht mehr sagen, ob es in einem seiner Sachbücher, in einem Interview oder sonstwo war), dass, wenn er heute stürbe, noch einige Jahre lang Stephen King Romane erscheinen könnten, die auf seinen Ideen beruhen. Und wie man sehr deutlich im Fall von King sieht, sind einige Ideen absolut haarsträubend – und daraus entstanden geniale Erzählungen und Romane.

In welcher Form man die Ideen zu Papier bringt, ist eigentlich egal. Ein Notizbuch, ein Collegeblock, ein Tablet, was auch immer. Ich würde von losen Zetteln abraten, aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich würde hingegen vorschlagen, die Ideen handschriftlich festzuhalten. Beim Schreiben – selbst wenn man eine derartige Sauklaue wie ich hat, dass man seine eigene Schrift nur mit Mühe lesen kann – fallen oft noch Ergänzungen und Erweiterungen dazu ein, die man wunderbar in Stichworten einfügen und dranhängen kann.

Ideen sind die Grundvoraussetzung für originelle, eigenständige Texte. Natürlich erfindet kaum jemand das Rad mit einer Idee neu, aber man kreiert dabei eigene Variationen und das macht die Hauptsache aus. Man erweitert, schreibt um, ergänzt, verändert, mutiert die Idee und die draus entstehenden Texte, bis die Sache sitzt.

Was sagst du? Deine Idee gibt es schon? Na und? Schon mal versucht zu ergründen, wie viele Zombie-Romane es gibt? Wie viele Vampir-Romane? Es ist scheißegal. Schreib deine Zombie-Idee nieder. Wenn dir irgendwann ein Dreh einfällt, der originell ist, dann mach daraus eine Geschichte. Du kannst davon ausgehen, dass jede Idee, die du hast, in der einen oder anderen Form schon irgendwann von irgendwem verarbeitet wurde. Und trotzdem lesen wir seit Jahrzehnten Geschichten von Zombies und Vampiren – oder wir schauen uns entsprechende Serien und Filme an. Scheiß drauf. Schreib deine Ideen auf.

Oh, und behalte deine Ideen für dich. Ich weiß, es ist schwer, nicht von der genialen Idee zu erzählen, die man gerade zu einem Roman verarbeitet, der ein Millionenseller wird, nicht wahr? Vor allem als Indie-Autor. Da muss man doch Werbung für sich und seine Texte machen. Eine Andeutung auf FB, ein Kommentar auf G+, ein Tweet, ein Blogeintrag – man muss der Welt zeigen, welch großartige Ideen man hat und welch tolle Bücher man schreibt.

Natürlich ist es wichtig, überall dort präsent zu sein, solange man nicht Jack Kilborn alias Joe Konrath ist und mehrere tausend eBooks im Monat verkauft, obwohl man auf all diese Präsenzen verzichtet … weil man auf folgendes draufgekommen ist: Nimm deine verdammten Ideen und verarbeite sie. Schnell. Zügig, Ordentlich. So gut es geht. Posaune nicht herum, sondern arbeite. Wenn man schnell genug ist, kann man beides machen – oder man nimmt noch mehr seiner Ideen und verarbeitet auch diese und …

So, wieder abgeschweift. Also, eigentlich geht es um eine ganz einfache Sache: Notiere selbst die dümmste Storyidee, daraus kann sich ein gutes Buch entwickeln. Notiere alles, was dir an Gedanken für eine Geschichte in den Sinn kommen könnte. Schreib es nieder, tippe es in den Laptop, aber notiere deine Idee! Sonst ist sie weg.

Autoren sammeln Ideen. Lebe dein Schreiben, und halte Ideen fest, bis sie verwendet oder verworfen sind.


Und jetzt nimm dein Notizbuch. Oder gehe eines kaufen.

Dienstag, 20. November 2012

Film: Wolkenatlas

In gewisser Weise macht der Wolkenatlas als Film, rein für mich gesprochen, keinen Sinn. Ich kenne das Buch nicht, kann den Roman deshalb nicht beurteilen. Der Film ist wunderschön, hat Momente der Überraschung, des Schocks und des Lachens. Er ist, wie der Roman, verschachtelt, und erzählt sechs Geschichten, von der Vergangenheit bis in die weite Zukunft.

Ich würde nicht soweit gehen, den Film als esoterisches Geschwurbel ohne Sinn zu bezeichnen. Das Problem ist, der Sinn, der wohl irgendwo verborgen liegen muss, hat sich mir nicht erschlossen. Ich bin vielleicht nicht die hellste Birne, aber es langt allemal, einen 3 Stunden langen Film von Lana und Andy Wachowski und Tom Tykwer durchzusitzen und auf eine tiefergehende Aussage zu ergründen.

Ich kann mir vorstellen, die Filmemacher haben ein wenig am Sinn des Romans vorbeigearbeitet, sind an der Oberfläche kleben geblieben. Das hat Tom Tykwer schon bei seiner Verfilmung von Patrick Süskinds Das Parfum gemacht – ich habe beim Lesen des Romans die Dinge gerochen, die der Autor beschrieben hat. Der Film hat mir wunderschöne, weichgezeichnete Bilder geliefert, aber mehr war da nicht.

Ich mag die Wachowsiks sehr gern. Bound war ein hervorragender kleiner Film, Matrix sowieso (die Fortsetzungen, na gut, hüstel) und ihre Produktion des Alan Moore Comics V hat mir auch sehr zugesagt. Aber die Geschwister sind doch sehr an der Oberfläche der Dinge interessiert, an beeindruckenden Bildern, an einer durchgestylten Optik, in der jeder Blutspritzer einfach nur schön aussieht.

Der Wolkenatlas ist unverkennbar ein Werk dieser drei Filmemacher. Die Idee, die Schauspieler in jeder Episode zu besetzen ist genial, mutet in manchen Momenten äußerst merkwürdig an und ist genau das, was man von diesen Filmemachern erwartet. Aber eine Aussage, ein Sinn, eine tiefergehende Bedeutung, irgendetwas, das dieses wunderschöne Monumentalwerk zu einer exquisiten Besonderheit erhebt, sucht man vergeblich.

Als Zuseher werde ich kopfkratzend aus dem Kino entlassen, darüber rätselnd, was ich letztlich gesehen habe. Das ist in vielen Fällen genau das, was die Macher wollten. Aber beim Wolkenatlas beschleicht mich das Gefühl, dass es den Machern passiert ist, obwohl sie etwas ganz anderes erreichen wollten. Es wäre zu einfach, den Film als gescheitert abzutun, das würde ich gar nicht so sehen. Aber er ist ein wenig am Ziel vorbeigeschossen.

Im übrigen finde ich die Synchronisation nicht sonderlich gut. Aber das nur am Rande.

Freitag, 26. Oktober 2012

Erfahrungen mit Neobooks - mit Update Juli 2013

(aktualisiert 07/2013)

Ich habe meine Bücher über Neobooks veröffentlicht. Neobooks ist ein Unternehmen der Droemer Knaur Verlagsgruppe. DK ist clever, weil sie sich dabei das Recht einräumen, in die eBooks reinzuschauen, ob da vielleicht etwas für ihr Programm dabei ist. Das ist immerhin ein klügerer und pragmatischerer Zugang zum Thema Self-Publishing, als ihn andere Großverlage an den Tag legen.

Ein paar Punkte sprechen auf jeden Fall für Neobooks:
-- Die Kosten: Erstellung und Verteilung an Shops sind kostenfrei. Die ISBN wird ebenfalls frei zugeteilt. Der Autor behält 70 Prozent der Netto-Einnahmen - Achtung, das sind nicht 70 Prozent des Verkaufspreises.
-- Der Vertrieb: Neobooks deckt Teile der eBook Shops ab, die selbst zu bespielen zum Teil unmöglich ist, oder nur mit einem enormen Aufwand an Zeit.
-- Der Vertrag: ist jederzeit per Mail kündbar, auch eine nicht zu unterschätzende Annehmlichkeit. Shops, die ausgelassen werden, kann man immer noch selbst bespielen, wenn es notwendig scheint. Aber für die Massenabdeckung ist gesorgt, incl. Apple iTunes Store.
-- Die Rechte: Man behält uneingeschränkt alle Rechte am Werk und bestimmt den Verkaufspreis selber.
-- Die Abrechnung: Den ganzen Wahnsinn der verschiedenen Shops unter einen Hut zu bringen, übernimmt Neobooks.

Ebenfalls von Vorteil ist die relative Simplizität, mit der man seine Sachen hochladen kann. Ein Word-Dokument mit ein paar simplen Formatierungen, ein Cover mit vorgegebener Größe. Man braucht nicht einmal ein Inhaltsverzeichnis erstellen, das erledigt Neobooks. Alles raufladen und ein paar Minuten später hat man das fertige epub zur Verfügung. Bequemer geht es kaum.

In der Praxis gibt es einige Haken, die das Leben beträchtlich erschweren können. Das sind ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen, für andere Personen mag es ganz anders sein:

Neobooks akzeptiert zum hochladen nur .doc oder .docx Dateien. So weit, so normal. Aber: Verwendet man Papyrus Office und konvertiert dieses in ein .doc, dann funktioniert das nicht. Nimmt man den Text aus Papyrus, setzt ihn mittels copy/paste in eine LibreOffice/OpenOffice Datei und speichert diese als .doc oder .docx, funktioniert das ebenfalls nicht. Irritierend ist eine Anmerkung zum Hochladen eines .pdf, was aber nicht möglich ist.

Ich habe zwei Alternativen gefunden, so man kein MS-Word, in welcher Version auch immer, benutzt:

a) man nimmt den Text, kopiert ihn in in die Textverarbeitung von Google Docs und speichert dieses Dokument dann als .docx ab. Das lässt sich problemlos hochladen, hat aber den beträchtlichen Nachteil, dass das mit dem formatieren seeehr mühsam ist.
Beim kopieren ist übrigens zu beachten, dass man den Text in Portionen übertragen muss. Eine komplette Textdatei mit 168 Normseiten bringt Google Docs zum Selbstmord.

b) Man nimmt die von Google Docs erstellte .docx Datei und bearbeitet sie in einem MS-Word nach und ladet dann diese Datei hoch. Das geht ebenfalls problemlos und hat sich in diesem Fall als der richtige Weg erwiesen (Was zu tun ist, wenn man kein MS Word auf einem eigentlich beinahe ausrangierten Alt-PC zur Verfügung hat, ist eine andere Frage).

Die online Version von Word, die man nur mit einem Windows-Live Account nutzen kann, ist für diese Aktion vollkommen unbrauchbar. Außerdem nervt Windows Live bei der Anmeldung unglaublich.

Was man sich beim Einrichten des .docx getrost ersparen kann, sind Überschriften in die Mitte des Textes zu setzen und den Anfang eines Kapitels oder Absatzes als Blocksatz zu formatieren. Neobooks rückt den Beginn einfach ein und setzt gekennzeichnete Überschriften an den linken Rand. Das ist eine eher hässliche Angelegenheit.

Eine andere etwas nervige Sache ist die Angabe von Daten. So hat man in den Eingabemasken ein Feld für den Autor. Aber weder eine Info darüber, wie die korrekte Eingabeform ist (Vorname, Zuname oder umgekehrt, Trennung mit Beistrich, Strichpunkt oder gar nicht), noch wie das funktioniert, wenn man, so wie ich in einem Fall, zwei Autorennamen eingibt.

Das Ergebnis ist dann ein Durcheinander, das z.B. bei Amazon anders aussieht als bei z.B. bei Libreka. Ob und wie schnell Neobooks das korrigiert, weiß ich noch nicht, die entsprechende Mail ist erst kurz vor diesem Blogeintrag abgegangen. Ich werde den Beitrag aktualisieren, wenn es dazu Neuigkeiten gibt.*

*UPDATE: Neobooks hat ziemlich schnell (nur ein paar Stunden später) reagiert und die Daten intern in Ordnung gebracht und lädt sie korrekt neu hoch. Das ist ging flott.

Etwas störend bei der Formatierung ist der Umstand, dass das Programm zwar die Überschriften 2-6 erkennt, diese jedoch nicht ins Inhaltsverzeichnis einbaut. Es beschränkt sich rein auf Überschrift 1. Bei Literatur ist das nicht so tragisch, für Sachbücher wird die Angelegenheit unter Umständen mühsam. Vielleicht bessert Neobooks hier noch nach.

Hat man das eBook endlich erstellt, ist es sofort bei Neobooks selbst zu haben, ein, zwei Tage danach wird es an die Shops ausgeliefert und taucht dann im Endeffekt rund fünf Tage nach dem hochladen in allen Shops auf (so weit bin ich in dem Fall noch gar nicht). Erscheint mir durchaus akzeptabel.

Neobooks klatscht auch eine "wurde erstellt mit Neobooks" Grafik in das eBook - dahinter verborgen vermute ich das "Social DRM" (weiches DRM), das zur Anwendung gebracht wird. Das bringt für den Leser kleinerlei Einschränkungen mit sich, man kann also trotzdem die Datei kopieren oder auf ein anderes Lesegerät überspielen und sie ist auch nicht fremdlöschbar wie beim Kindle. Mir wäre es grundsätzlich ohne DRM lieber, aber so ist es halbwegs akzeptabel.

Im großen und ganzen funktioniert Neobooks also sehr gut. Auch auf Emails wird schnell und freundlich geantwortet. Ein paar Kleinigkeiten sind nervtötend und verbesserungswürdig, aber der Service ist noch relativ jung und von daher wird es sicher Änderungen geben. 

Update 07/2013:

-- Inzwischen gibt es bei Neobooks die Option, einzelne Händler - wie z.B. Amazon - auszuklammern, wenn man sie selbst bespielen möchte. Diese Funktion ist noch mit "Beta" gekennzeichnet, ich habe sie noch nicht verwendet. Das folgt beizeiten.

-- Das Aktualisieren eines Titels ist im Grunde sehr einfach, allerdings durchaus auch lästig: man muss sämtliche Schritte, die man bei der ersten Erstellung des Buches getätigt hat, nochmal durchgehen. Je nachdem, was man ändern möchte, geht das zügig mit "speichern und fortfahren" voran, oder man kaut die Punkte einzeln durch.

-- Es funktionieren immer noch nur .doc oder .docx Dateien zum Upload. Bei meinem letzten Herumgespiele mit einem Update (am 30.7.2013) war zwar auch ein .pdf als Option angegeben, allerdings hatte sich zu dem Zeitpunkt das Upload-Werkzeug erschossen (Connection Reset). Nach Behebung des Problems war die .pdf Option nicht mehr gegeben.

-- Der Support funktioniert wie bisher schon rasch und höflich. Und wie fast immer gilt auch hier - wenn man freundlich und geduldig anfragt, was ja Standard sein sollte (selbst wenn einen das defekte Upload Werkzeug nach fast einer Stunde wiederholter Versuche in den Wahnsinn getrieben hat), bekommt man eine ebenso höfliche und hilfreiche Antwort. Oft noch innerhalb des selben Tages, spätestens jedoch nach 24 Stunden. Meine Erfahrung.

-- Noch unverändert ist die Sache mit den Überschriften - es wird weiterhin nur die 1 verwendet.

-- Es gibt auch weiterhin nur ein Eingabefeld für einen Autor. Wer mit Co-Autor arbeitet, hat also weiterhin ein Problem.

-- Das epub Autorenexemplar, das man sich nach Fertigestellung runterladen kann, wird mit eigenem Namen und Erstellungsdatum gut sichtbar gekennzeichnet.

-- zum Thema DRM gibt es von Neobooks bei der Selfpublisher-Bibel eine Anmerkung. Praktisch: Auch die anderen Anbieter lassen im Rahmen einer Umfrage ihre Meinung zu dem Thema ab.

Derzeit habe ich nur einen Titel bei Neobooks - alle anderen haben einen Abgang in Richtung Verlag gemacht.

Die John Aysa Autorensite.

Der Neobooks Titel:
Mein neuester Roman (ab ca. spätes 08/2013):

Die weiteren Bücher -> hier

Ausführlichere Informationen zum Thema Self-Publishing, auch Vergleiche mit anderen Distributoren wie Xinxii u.ä. finden sich auf Die Selfpublisher-Bibel von Matthias Matting. Darüber hinaus gibt es noch den einen oder anderen nützlichen Blog zu diesem Thema. 

Gutes Gelingen mit Self-Publishing!


Samstag, 29. September 2012

Alleinsein, Schreiben, Selbsterkenntnis

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie …. sich selbst. Kaum jemand wird dir widersprechen, wenn du sagst, es gibt nicht viel wichtigeres als zu wissen, wer du bist, was du willst, wo deine Stärken und Schwächen liegen und wie lebenswichtig es ist, mit sich selbst im Reinen zu sein.

Wie man soweit kommt, ist eine ganz andere Frage und da gibt es so viele Antworten wie Menschen, obwohl man auch hier breite Zustimmung finden wird bei der Behauptung, Alleinsein ist einer der besten Wege. Eine Behauptung der ich aus persönlicher Erfahrung und aus den Beobachtungen in meiner Umgebung zustimme.

Ich habe einige Zeit allein gelebt und dabei mehr über mich gelernt als in vielen Jahren Beziehung. Das meiste davon hat mir gefallen, aber nicht alles. Ich habe Stärken und Schwächen in mir gefunden, die mich erstaunt haben. Einiges davon hat sich geändert, seit ich Frau und Kind habe. Einige Stärken sind verschwunden, einige Schwächen wurden ausgeglichen.

Ich ziehe mich seit Monaten immer wieder für ein paar Tage zum Schreiben zurück. In eine Wohnung, in der ich allein bin, in einer Stadt, in der ich nicht lebe. Ohne Internet, ohne Fernseher, ohne Radion, einmal sogar ohne Handy. Bei mir sind der Laptop, Musik und die Textverarbeitung.

Während dieser Zeit der Einsamkeit verbringe ich täglich rund 10-14 Stunden damit, in die Tasten zu hämmern, auf den Bildschirm oder ins Leere zu starren. Ganz alleine. So viel wie in dieser Zeit bringe ich beim Schreiben sonst nicht weiter, das liegt in der Natur der Sache.

Die Kombination aus Einsamkeit und Schreibarbeit hat dieselbe Wirkung wie das Leben alleine. Ich entdecke Bereiche in mir, die ich nicht kannte oder nicht bewusst wahrgenommen habe. Ich verstehe einiges besser. Und wie immer bei solchen Dingen, nicht alles davon ist angenehm, einiges ist irritierend. Aber auch das Unangenehme hat einen Vorteil – ich weiß darüber Bescheid. Das ist zumindest ein Anfang und gibt mir einen Spielraum, in dem ich versuchen kann … komm auf die dunkle Seite der … ach, Quatsch.

Yoga, Meditation, eine Schweigewoche im Kloster, alleine leben, oder allein schreiben gehen. Egal wie, Mensch braucht immer wieder Zeit mit sich, um das Ich zu ergründen. Manchmal reichen Stunden, dann wieder braucht man Tage, Wochen, Monate. Selbst wenn es Jahre dauert, das ergründen des Ich ist eine wichtige und notwendige Sache.

Bin ich glücklich? Lebe ich in der richtigen Beziehung? Habe ich die richtige Position in meiner Beziehung? Klammere ich mich rein aus Angst vor dem Alleinsein an meinen Partner, obwohl ich weiß, er tut mir nicht gut? Werde ich dabei gestärkt, oder zielt mein Partner auf meine Schwächen, um mich zu dominieren – aus seiner eigenen Schwäche heraus, um sich selbst besser zu fühlen?

Habe ich den Beruf, der mich glücklich macht? Weiß ich, was ich mit meinem Leben anfangen will? Wie gut kann ich es verkraften, wenn meine Wünsche nicht aufgehen? Was erwarte ich mir eigentlich von einer Beziehung? Habe ich wenigstens ein, zwei Freunde, denen ich mein Ich bedingungslos anvertrauen kann? Kann ich meinen Gefühlen Ausdruck verleihen? Weiß ich, wie man konstruktiv streitet? Warum bin ich so verletzlich?

Wenn ich all das weiß, dann geht es mir besser, dann kann ich eine bessere Beziehung führen. Lebe ich allein, dann werde ich instinktiv den Moment finden, ab dem ich bereit bin, mich (wieder) auf ein Leben zu zweit oder mehr einzulassen (und auf die dafür notwendigen Kompromisse). Ein Leben allein ist keine Sache, vor der man sich fürchten braucht.

Und so weiter, und so weiter. Klingt wie eine Sammlung von Klischees – ist es auch. Das Blöde daran ist bloß, diese Klischees (zu finden in vielen handelsüblichen Psychologiebüchern, Beziehungsratgebern, Selbstfindungsbüchern) sind ein beträchtlicher Teil dessen, die das Ich ausmachen und bestimmen. Klischees gibt es nicht ohne Grund, es steckt in allen ein wahrer Kern.

Politik verdirbt den Charakter, Konzerne beherrschen die Welt, die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer, wir verlieren immer mehr Rechte, wir werden immer enger überwacht. Klischees. Wahrheiten. Untrennbar miteinander verbunden. Sogar dieser Blogeintrag ist ein Klischee.

Wo war ich? Ach ja. Also, Einsamkeit und Schreiben, zwei Werkzeuge, das Selbst zu ergründen. Das beantwortet auch die Frage von Millionen Lesern an tausende Autoren, wie viel von den Schreibern in ihren Texten steckt. Ganz einfach: Manchmal das Unterbewusstsein, manchmal Vorlieben und Abneigungen, manchmal gar nichts, weil der Text pure Berechnung ist, aber selbst das ist Teil des Schreibers, seines Ich. Ob er es ergründet hat oder nicht.

Hm, worauf wollte ich hinaus? Ah ja, auf die Wichtigkeit der Selbsterkenntnis. Ob mir gefällt, was ich in mir finde oder nicht spielt keine Rolle, ich muss es wissen und damit umgehen können, damit ins Reine kommen, mich selbst akzeptieren wie ich bin. Nur dann wird es mir gelingen, ein zufriedenes Leben zu führen. Und das ist, so egoistisch es klingen mag, das um und auf. Ich muss mit meinem Leben zufrieden sein. Egal, in welcher Form ich es führe. Denn ich habe nur dieses eine Leben, nach dem Tod ist es vorbei.

Schnitzler, die alte Schweinebacke, hatte mit seinem weitem Land Recht. Das Ich, die Seele, das ist ein weites Land. Und wenn ich nicht weiß, wo sich was darin befindet, verirre ich mich. Manche Orte suche ich öfter auf, andere selten. Finde ich blinde Flecken, versuche ich zu ergründen, was darin verborgen liegt, welche Wünsche, welche Sehnsüchte sich dort verbergen. Mag mir nicht gleich gelingen, aber ich weiß, die Flecken sind da. Vielleicht habe ich noch gar nicht alle Flecken gefunden, das macht nichts, Hauptsache ich weiß, sie sind da und ich werde sie, irgendwann, finden.

Ich ziehe mich zum Schreiben in die Einsamkeit zurück. Ich finde Dinge in mir. Eine Erkenntnis, ein Selbstverständnis, manchmal auch nur Unsinn. Aber ich bin froh darüber. Es hilft mir, mich selbst zu verstehen, denn das ist schwierig. Vieles von dem, was ich finde, gefällt mir. Aber nicht alles.

Ich habe den Eindruck, etwas Wirrnis verbreitet zu haben. Ich bin mir nicht sicher, worauf ich hinauswollte. Nach sortierten Gedanken sieht das Ganze nicht aus.

Ehrlich, warum habe ich diesen Blogeintrag jetzt geschrieben?

Montag, 24. September 2012

Statistiken

Vor ein paar Tagen flatterte mir unvermutet eine Frage zu, die sich mir bis dahin gar nicht gestellt hatte. Wie viele »fuck« es denn in meinen Geschichten gäbe. Die unmittelbare Antwort war ein Eingeständnis der Ahnungslosigkeit, denn darüber hatte ich bis dahin noch nie nachgedacht. Aber damit meine Neugierde war geweckt. Tja, wie viele »fuck« gibt es in meinen Erzählungen? Sie sind ordinär, brutal, blutig, überdreht, voller Sex und Gewalt und – na überraschend, wenn der Verfasser sowas sagt – auch tiefgründig ;-)

Also, wie viele »fuck«? Da es natürlich noch andere, sehr hübsche Worte gibt, habe ich die Gelegenheit beim Schopf gepackt und ein paar Ferkel/Pfui Worte zusammengesucht und dann gezählt. Ich habe mich auf die derzeit veröffentlichten Texte beschränkt, weil bei allem anderen noch Änderungen in letzter Sekunde möglich sind.

So betrifft die Aufzählung die Storysammlungen Am Anfang war die Tat (36648 Worte), Ferve der Dreckfresser (36685 Worte), Killer Klown (42366 Worte) und Is' was, Doc? (42667 Worte) Das sind 24, zum Teil sehr lange Texte mit insgesamt 158366 Worten.

Die Erzählungen für die in absehbarer Zeit vorgesehene Sammlung »Ein Zombie zerrt am Glockenseil« sowie eine noch namenlose Collection von Science Fiction Geschichten habe ich vorläufig einmal ausgeklammert. In beiden Fällen sind noch Überarbeitungen nötig.

Ich beschränke mich auf das Gesamtergebnis, weil die Anzahl der bösen Wörter pro Sammlung, von wenigen Ausreißern abgesehen, relativ ähnlich ist. Einige Worte, wie Arsch, Kotz, Piss, Sau usw. haben naturgemäß verschiedene Endungen.

Here are the results of the jury:

Fuck: 10x
Shit: 16x
Piss: 28x
Fotze: 45x
Kotz: 54x
Geil: 90x
Sex: 95x
Sau: 124x
Fick: 155x
Scheiße: 221x
Arsch: 236x

Total ergibt das 1074 Worte, rund 0,7 Prozent, die man als Schimpfwörter bezeichnen könnte. Das ist jetzt nicht so schlimm, ich würde sagen, meine Geschichten sind ein klein wenig derb und ordinär. Ausgerechnet aber »fuck« findet am wenigsten Verwendung. Das hat mich überrascht. Die Statistik ist natürlich insofern ungenau, weil Worte wie erbrechen, vomieren, reihern, keuzen, etc... nicht gezählt wurden.

Im übrigen gibt es Worte, die zwar als Schimpfwörter gebraucht werden können, die ich aber unheimlich sexy, geradezu geil, finde und die, richtig angewendet, absolut als Kompliment herhalten können. Natürlich nur, wenn einem die political correctness nicht wie ein Besenstiel im Arsch steckt. Hm, apropos, einen Moment mal...
:-)
Lustig, diese Auflistung. Ich denke, ich werde dieses Spiel bei Gelegenheit weiterführen. Mit diesen Worten empfehle ich die Lektüre der oben genannten Storysammlungen und wünsche noch einen schönen Tag.

Dienstag, 11. September 2012

Seltsam...

Es ist ein merkwürdiges Gefühl, 5 Tage lang ohne Internet und Handy unterwegs zu sein, in einer anderen Stadt als seinem Wohnort. Geradezu beunruhigend. Was, wenn man Hilfe braucht, was, wenn  einem was passiert?

Das doppelt merkwürdige daran ist allerdings, das es vor gar nicht so vielen Jahren ganz normal war, so durch die Welt zu wandern, ohne sich etwas dabei zu denken. Jetzt ist das anders. DAS ist wirklich beunruhigend. Wie sehr man von dem ganzen technischen Krimskrams abhängig geworden ist.

Irgendwie beschleicht mich da das Gefühl, dass der Fortschritt auch einen beträchtlichen Rückschritt darstellt. Natürlich nicht in allen Belangen, das ist Unsinn, aber auf einer persönlichen Ebene durchaus.