Donnerstag, 16. Januar 2014

Fortschritt

Fortschritt. Für Interessierte.

Es gibt (vor ein paar Tagen auf Facebook gesehen) ein Zitat von Jack Vance: "The less a writer discusses his work—and himself—the better. The master chef slaughters no chickens in the dining room; the doctor writes prescriptions in Latin; the magician hides his hinges, mirrors, and trapdoors with the utmost care."

Schlicht auf den Punkt gebracht - red nicht über dich und deine Arbeit, sondern schreib einfach. Grundsätzlich kann man dem zustimmen. Auf der anderen Seite ist Jack Vance ein Kind seiner Zeit gewesen, geboren 1916. Seitdem haben sich die Zeiten drastisch geändert. Leser heute honorieren Informationen aus der Werkstatt des Autors. Eine gewissen Medienpräsenz scheint unumgänglich und ist so einfach wie nie zu vor zu managen.

Die Schwierigkeit liegt eigentlich nur darin, das Gleichgewicht über die Menge und den Inhalt der Informationen zu finden - und - die Zeit, die man dafür erübrigen kann/will/muss. Beispiele gibt es mehr als genügend, für das eine oder andere Extrem. Welchem Autor was mehr liegt, das muss wohl jeder für sich selbst rausfinden.

Mindestausstattung ist wohl ein Blog. Besser natürlich eine Website. Wo, wenn nicht in deinem ganz persönlichen Schaufenster, willst du eine Daueraustellung deiner Werke einrichten? Oder eben einen Einblick in die Werkstatt gewähren?

Social Media ist schwieriger zu beurteilen. Was für einen Autor funktioniert, muss für den anderen nicht ebenfalls Bedeutung haben. Facebook, Google+, Twitter, Tumblr, Instagramm, weiß der Teufel. Das ist eine Angelegenheit von try and error.

Ich denke, das Zitat von Jack Vance ist leicht abgewandelt immer noch anwendbar: "Kümmere dich hauptsächlich um deine Schreibarbeit, aber lass deine Leser wissen, dass du arbeitest."

So könnte man Vance abwandeln. Der Umfang dieser Information/Kommunikation bleibt jedem Autor überlassen.

Na dann. 
Grüße, John

Sonntag, 12. Januar 2014

Visionarium

Ich möchte zwischendurch mal auf dieses Projekt hinweisen -> hier. Das Visionarium ist ein Herzensprojekt von Bernhard Reicher von der Edition Gywdion und Doc Nachtstrom, dem ruhelosen, umtriebigen Geist hinter zahlreichen Kreativprojekten in Literatur und Musik.

"Die Gazette für phantastische Abwege" ist ein köstlicher Untertitel. Der Webauftritt des Magazins heißt "Absinth für den Geist", passend zur farblichen Gestaltung des Projekts. Perfekt, stimmig, originell.

Das sind Kleinigkeiten und Details, die für mich ein Herzensprojekt der Schöpfer kennzeichnen. Und dass ich auch einen Betrag in Form einer SF-Story dazu leisten durfte, freut mich ungemein. Ich bin ziemlich neugierig, wie das Ding werden wird - demnächst mehr :-)

Dienstag, 7. Januar 2014

News zum Schreiben

Ein Auszug eines Postings auf meiner Website - zur Gänze -> hier zu lesen.

Der zweite Roman rund um She wird Prinzessin: Armee der Finsternis heißen. Erscheinungstermin ist für Mai 2014 vorgesehen, heißt, ich tippe mir schon die längste Zeit die Finger wund. Zum Buch selbst – es wird einen Tick umfangreicher als der erste Band und komplexer.

Prinzessin war auf wenige Personen konzentriert – gerade mal She und ihre Gegenspieler. Der zweite Band wird einen breiteren Einblick in die devastierte Welt der Heldin bieten. Nicht weniger hart und freizügig, aber mit mehr handelnden Figuren, komplexer in der Geschichte. Die Welt hat viele faszinierende Schrecken zu bieten und ein paar davon wollen wir auf dieser Reise erkunden. Das braucht mehr Platz und mehr Personal … und die Wiederkehr einiger alter “Freunde”. Macht unheimlich Spaß, an dem Ding zu arbeiten.

Die Romane und Erzählung(en) rund um She gehören ins “Fucked Future Universe“, in dem dieses Jahr auch eine Geschichte namens “Drool” erscheinen wird, die nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit She steht, aber … naja, selbst lesen, wenn das Ding draußen ist. In welcher Form sie kommen wird, weiß ich noch nicht.

Was gibt es noch? Voraussichtlich im Jänner erscheint im Visionarium, einer Wiederbelebung des Pulp-Magazins, ein ehrgeiziges Projekt der Edition Gwydion, eine Erzählung von mir, eine Science Fiction Story mit dem Titel Ein strahlend schöner Morgen: Einige Jahre in der Zukunft, ein lebensgefährlich heißer Tag und einigen Personen geschehen unschöne Dinge …

Ich arbeite an zwei – noch ohne Titel – Kurzromanen, die ebenfalls dieses Jahr rauskommen werden, Frühsommer, Spätsommer/Herbst, meine Schätzung. In einem Bändchen gibt es eine Menge Tentakel Wink.

Wenn alles so läuft, wie es soll, geht sich für Spätherbst noch ein Thriller aus – nein, keine weichgespülte Geschichte, sondern ein beinharter, blutiger, brutaler Roman mit einer Geschichte, die so trivial, verdreht, bizarr und abartig ist, wie es Menschen sein können … Titel habe ich noch keinen. Es stehen die Grundidee und ein paar Entwürfe für Szenen.

Sonntag, 5. Januar 2014

Blade Runner und Weltherrschaft

In seinem Audiokommentar zu BladeRunner – The Final Cut spricht Regisseur Ridley Scott gleich zu Beginn davon, dass er diese Welt immer als eine gesehen hat, die von drei Konzernen beherrscht wird. Ich habe daraufhin eine Weile herumüberlegt, was dieses Dreigestirn aus heutiger Sicht wohl sein könnte und bin zu folgendem Ergebnis gelangt: Nestlé, Amazon, Google.

Ich bin zwar nicht der Hellste, was wirtschaftliche- und generelle Zusammenhänge angeht, oder aber was die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft betrifft, aber wen es interessiert, der kann gern meine trivialen Gedanken dazu nachfolgen und daraus machen, was immer ihm auch gefällt. Sprich, korrigieren, verwerfen, bestätigen, neu aufstellen, wtf auch immer.

Es gibt zu allen Unternehmen eine Vielzahl an Informationen im Internet zu finden. Es gibt etliche Dokumentationen, in denen der Konzern ein Thema ist – Wie feed the World, Bottled Water u.a. Es gibt Online sehr viel zu finden. Es gibt Sach- und Fachliteratur, die informiert. Ein paar Links habe ich am Ende des Artikels zur Übersicht zusammengestellt. Weiterführende Informationen kann sich jeder selbst suchen.

Ich betreibe hier kein Konzernbashing und liefere schon gar keine seriöse Abhandlung über die skrupellosen Machenschaften von Konzernen – weit davon entfernt. Für sowas bin ich gar nicht kompetent genug. Ich will einfach nur ein paar Gedanken loswerden, die ein cleverer Science Fiction Film, der auf einem cleveren Buch beruht, ausgelöst hat. That's all, folks.


Nestlé:
Ein ursprünglich Schweizer Unternehmen, ist der weltgrößte Lebensmittelkonzern. Nespresso, Buitoni, Alete, Maggi, Smarties, After Eight, Kitkat, Original Wagner Pizza, Schöller, Oreo, Nestea (Joint-Venture mit Coca Cola), Vittel, Nescafé, und zahllose andere. Übrigens gibt es → hier und → hier sehr schöne Grafiken, die zeigen, was welchem Lebensmittelkonzern gehört. Erstaunlich. Außerdem gehören 30% des L'Oreal Konzerns Nestlé.

Weiß George Clooney eigentlich, dass er Werbung für einen Konzern macht, der weltweit Quellen aufkauft, das Wasser demineralisiert, mit eigene Mineralien versetzt und dieses nach eigener Norm fabrizierte Einheitsgemisch global in die Läden stellt, auch und vor allem in Ländern, in denen Wassermangel herrscht? Nestlé ist weltweit führend, wenn es darum geht, Trinkwasser zu kommerzialisieren. Nestlé unterhält in Kolumbien mehr Bewaffnete zum Schutz seines Eigentums als die kolumbianische Armee.

Unter all den Konzernkraken ist Nestlé mit Vorsprung der größte, überaus skrupellos und darauf bedacht, die eigene Vormachtstellung weiter auszubauen. Der Konzern verfügt über rund 2000 Marken, mit denen er sich rund um den Globus in fast jeden Haushalt gezwängt hat. Nestlé ist gekommen um zu bleiben und zu herrschen.

Was meinen Haushalt angeht, so findet sich da überraschenderweise kein Nestlé Produkt – bedingt durch eine vor Jahren notwendigerweise durchgeführte Umstellung der Ernährung. Man kann diesen Kraken also tatsächlich noch vermeiden. Irgendwann vermutlich nicht mehr.


Amazon:
Der weltweit größte, aggressivste und am geschicktesten agierende Internetladen, der wirklich jeden Scheißdreck verkauft, den man sich wünschen kann. Amazon agiert nicht mehr oder weniger skrupellos als andere Konzerne und ist vielfältig tätig. Hardwarehersteller, Buchverlag, Film- und TV Produktion, Cloudspeicher-Anbieter. Der Datensammler Alexa und die IMDb, die Internet Movie Database befinden sich ebenfalls in Händen Amazons.

Bei uns ist es gerade wieder einmal in, auf Amazon einzudreschen betreffend Mitarbeiter, Arbeitsbedinungen usw... → hier gibt es eine sehr sachliche Behandlung dieses Themas, die relativiert. Relativiert, nicht verteidigt. Der Konzern ist nicht schlimmer als andere Unternehmen, er geht naturgemäß so weit, wie es die Gesetze ermöglichen. Das heißt, das Problem ist woanders beheimatet.

Amazon bindet über Kindle und die eigenen, geschlossenen, Dateiformate Millionen Leser und Käufer an sich. Der Konzern bindet eine Menge Self-Publisher an sich, da er das selbständige Verlegen von eBooks und Printbüchern über CreateSpace enorm vereinfacht. Damit vergrößert er auch sein Angebot bedeutend weiter als es andere Onlinhändler ermöglichen. Zwar agiert der Konzern da auch recht scheinmoralisch, aber so lange eine saubere Oberfläche präsentiert wird...

Amazon ist ein total an Kunden und Gewinn orientiertes Unternehmen mit langfristigen Strategien, das sich in zunehmehmend mehr Geschäftsbereiche ausbreitet. Nirgends ist es so einfach einzukaufen und passende Empfehlungen zu bekommen. In dieser Beziehung sind sie konkurrenzlos erfolgreich. Wie mit Verlagen, Herstellern und Lieferanten umgesprungen wird – oft herablassend, arrogant oder komplett ignorant, ist eine andere Sache. Aber in Sachen Kundenbindung und Entgegenkommen sind sie kaum schlagbar. Amazon geht ab 2014 dazu über, eigene, reale Läden zu errichten und experimentiert mit Roboterdrohnen zwecks Paketzustellung.

Amazon ist zum Synonym für Ich bekomme alles was ich will ganz einfach und schnell. Mit diesem Service für die eigene Faulheit wird der Konzern uns noch lange Pakete bringen.

Ich benutze Amazon aus mehreren Gründen. Es geht schnell. Es ist oft günstiger als im lokalen Laden und ehrlich gesagt kann ich mir solche Aufpreise einfach nicht leisten – das summiert sich und bei einem durchschnittlich niedrigen Familieneinkommen muss man sorgfältig rechnen. Ich benutze auch das Partnerprogramm von Amazon. Tja. Wie gesagt – Amazon macht es extrem einfach, seine Dienste und Angebote zu nutzen.


Google:
Wissen: Google Suche. Kommunikation: G-Mail. Social-Web: Google+. Meinungsbildung: Blogger (blogspot). Entertainment: YouTube. Cloud-Service: Google Drive und Google Docs. Orientierung: Google Maps. Werbung: Google AdWords. Orientierung: Google StreetView. Sitestatistiken: Google Analytics. Bildverwaltung: Picasa. Browser: Chrome. Betriebssystem: Android. Virtualität: Google Glass. Kommunikation: Handys, Tabletts. Hersteller: Motorola. Robotik: Boston Dynamics. Entertainment: Google Play.

Google ist mit seiner enormen Bandbreite an Produkten für den modernen Alltag nicht mehr aus unserem Leben wegzudenken. Wir sind durchleuchtet, werbetechnisch erfasst, werden überwacht und analsysiert und mit personalisierter Werbung umspült. Alles ist ineinander verzahnt und kostenlos – nicht gratis. Wir bezahlen. Mit unserer Privatsphäre.

Die große Frage ist aber für mich, was erwartet sich Google vom Erwerb von Boston Dynamics? Der weltweit führende, vom US-Militär gesponsorte Entwickler in Sachen Robotik in den Händen des privaten Unternehmens Google? Lässt faszinierende Entwicklungen erwarten – und erschreckende Möglichkeiten in den Sinn kommen. Boston Dynamics – Big Dog, Cheetah, Atlas. Videos dazu finden sich in → diesem Artikel. Beeindruckend. Ein paar mehr davon auf der Site des Herstellers - Sandflea und RHex z.B.

Wird Google eines Tages Cyberdyne Systems sein? Oder Weyland-Yutani? Oder Tyrell? Oder Tochterfirmen mit diesen Namen haben? ;-)

Dabei ist das nichtmal die erste Robotikfirma, die sie erworben haben. Google verfügt über einen ganzen Schwarm solcher Unternehmen, darunter als populäres Beispiel die Firma Bot & Dolly, deren Roboterkameras beim Film Gravity eingesetzt wurden.

Womit sich der Kreis über die Roboterkamers zu Blade Runner schließt. Ein Film über künstliche Menschen und einen Konzern, der über die entsprechende Hard- und Software verfügt, die Tyrell Cooperation.
Wären der Roman von Philip K. Dick und die Verfilmung nicht schon 1968 und 1982 erschienen, könnte man Blade Runner als Film über eine von Google dirigierte Welt interpretieren.
Dass die Androiden bei Dick das Nexus 6 Modell sind und Google eine ganze Palette von Nexus Geräten sein eigen nennt, ist jetzt mehr witzig als sonstwas, Nexus ist ein doch sehr weit gefächerter Begriff.

Auch Google ist in unserem Leben tief verankert und los werden wir diesen Konzern auch nicht mehr so schnell. Zu vielseitig sind die praktischen, kostenfreien und leicht zugänglichen Produkte, mit denen sich der Konzern in Haushalten und Unternehmen verankert hat.

Ich benutze, hat mich beim Zählen gerade etwas erschreckt, 8 verschieden Servies von Google, mehr oder weniger intensiv. Wahnsinn. Ich bewundere sie für ihre Innovationskraft und Geschicklichkeit, ich stehe ihnen kritisch gegenüber, was die Folgen ihres Tuns anbelangt. Aber entkommen? Das geht nur sehr, sehr schwer.

Alle drei Konzerne werden sich immer wieder verändern, neue Services schaffen, andere abschaffen, aber sie werden bleiben, ihre Marktführerschaft weiter ausbauen und unseren Alltag so weit dominieren, dass es kein Entkommen mehr geben wird. Dann sind wir endgültig in der Welt des Blade Runner angekommen. Was bleibt ist, all die Angebote mit kritischer Vorsicht in Anspruch zu nehmen. Wie weit jemand annimmt oder ablehnt, ist eine individuelle Sache, die man mit sich selbst ausmachen muss.



LINKS:
Nestlé – Unternehmen:

Nestlé – Marken:

Grafiken der Lebensmittelkonzerne:


Nestlé – Diverses:




Amazon – Unternehmen

Amazon – Arbeitsbedingungen

Amazon und die Moral


Google:



Google erwirbt Botson Dynamics:


Freitag, 20. Dezember 2013

Nur kurz zwischendurch

Weil ich in den nächsten Tagen nicht viel Zeit hab, wünsch ich euch mal so auf die Schnelle schöne Feiertage und all den Kram, der jetzt bis Jahresende anfällt. Oh, und danke. Also: Alles Gute!

So, nachdem wir jetzt den rührseligen Kram erledigt haben ;-) zwei Teaser: Nummer Eins ist der erste Satz meines kommenden Romans, wird im Mai 2014 erscheinen. "Scheiße tropfte von der Decke."

Teaser Nummer zwei: Expendables 3. Sehr nett gemacht. Viel Vergnügen.



Und weil die ziemlich unterhaltsam durch den Fleischwolf gedrehte Musik ein Klassiker ist, hier das Original:



Dienstag, 17. Dezember 2013

Bewertung

Drüben in Scarecrows Area gibt es seit ein paar Tagen eine ziemlich coole Rezension von Prinzessin - und zwar genau hier. Die Leute dort finden übrigens auch ziemlich viele, sehr ... denkwürdige Trailer zu filmischen Perlen der Sonderklasse. Bemerkenswerter Trash darunter, cool. :-)

Um nur ein kleines Zitat aus der Rezension zu bringen, weil ich es genial und sehr witzig finde: "... denn hiergegen ist ein Edward Lee eine Märchentante und auch die Blutfontänen von Tim Currans "Zerfleischt" spritzen etwas niedriger." Zitat Ende.

Sehr geil. Ich liebe Edward Lee und schätze Tim Curran sehr. Allerdings bin ich auch ein klein wenig überrascht, was vermutlich daran liegt, dass ich wohl eine etwas einseitige Sicht darauf habe: Ich hätte nicht gedacht, dass das Buch als so heftig angesehen werden kann. Sicher, es ist derb, aber für mein Empfinden sind da Leute wie Edward Lee oder Wrath James White immer noch härter.

Hm, so kann man sich täuschen. Jedenfalls vielen Dank für dieses Kompliment.

Und jetzt - altvertraut und unvermeidlich: Prinzessin als eBook bei Amazon, als Paperback bei Amazon.



Montag, 2. Dezember 2013

Eine Art making-of

Warum sind Bücher so, wie sie sind? Eine gute oder blöde Frage, je nachdem, wie man es sehen will. Die simple Antwort lautet naheliegend: Weil der Autor das Ding so geschrieben hat. Das ist richtig und greift zugleich viel zu kurz – denn das führt gleich zur nächsten Frage und in Folge zu einem ganzen Wust an Fragen – warum hat der Autor das Buch so geschrieben? Was hat er sich dabei gedacht? Hat er sich überhaupt was gedacht? Wo liegt der Sinn des Werkes begraben? Warum gibt es diese Unschärfen und jene Mängel, warum, warum, warum …

Weil es mich gerade ziemlich reizt, versuche ich im Folgenden, ein paar dieser Fragen zu beantworten und nehme als Grundlage dafür meinen letzten Roman – Prinzessin. Der Roman verkauft sich gut und spaltet die Leserschaft in Fans und Gegner. Ideale Voraussetzungen, um ein wenig darüber zu plaudern.

Wie es bei mir im Blog häufiger der Fall ist, werde ich die Gedanken völlig ungeordnet niederschreiben, so, wie sie mir in den Sinn kommen. Sorry, Ordnungsfetischisten.

Der Blogeintrag ist frei von Spoilern.

Prinzessin ist eine negative Utopie, ein düsterer Blick in eine Zukunft, die sein könnte. Das Naturell des Buches ist daher von herbem Charakter, die Geschichte wühlt geradezu in Schmutz und Ekeln. Ich glaube nicht, dass die Zukunft der Menschheit nach einem Versuch der Selbstzerstörung in irgendeiner Form schön sein kann. Im Gegenteil, eine solche Welt bietet die ideale Voraussetzung zur Freisetzung der schlechtesten Seiten der Menschen. Es gibt keinen Staat, keine Gesetze, keine Regeln. Im Rahmen dessen, was die Welt zulässt, kann jeder seinen abgründigsten Begierden und Bedürfnissen nachgehen, ohne Reue, ohne Einschränkung und in vielen Fällen sicher auch ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.

Ein kleiner Vorgeschmack davon findet sich in den Nachrichten, ganz egal ob TV oder Internet. Nachrichten sind eine Ansammlung von Widerwärtigkeiten, die von Sklaverei über Kinderficker bis hin zu religiös motivierter Gewalt jeden Ekel bereit halten, zu dem Menschen fähig und willig sind. Selbst wenn man die Hälfte der täglichen Dosis Wahnsinn als mediale Übertreibung weglässt, bleibt eine Menge Irrsinn übrig. Und was wohl passiert, wenn man dazu noch alle Grenzen der Zivilisation beseitigt? The Purge, zur x-fachen Potenz.

Prinzessin ist dieser Sichtweise entsprungen und ist konsequent wenig freundlich.

Das Buch hat sich von selbst geschrieben. Das heißt, ich bin vor dem Computer gesessen und habe abgetippt, was mir die Figuren geflüstert haben, was sie tun und wohin sie gehen. Ich hatte eine Vorstellung davon, wo die Reise beginnen sollte und wohin sie im zweiten Band führen wird, aber die Dinge dazwischen sind von selbst gewachsen.

Die Perspektive des Erzählers ist jene der Protagonisten/Antagonisten – wobei die Grenze zwischen den Guten und den Bösen eigentlich nicht vorhanden ist. Das heißt, der Leser erfährt nicht viel mehr, als gerade das, was die Figuren bewegt und was diese über die Welt wissen. Damit verzichtet das Buch auf ein paar Dinge.

Zum einen auf eine genaue geographische Position. Das wissen die Figuren einfach nicht. Es spielt für sie auch keine Rolle. Die Welt ist im Arsch und wo genau sie durch die Scheiße waten, das ist bedeutungslos. Es zählt nur, wie tief sie im Dreck stecken, mal bis zu den Knöcheln, dann bis zu den Hüften. Das Wetter ist überall mies, die Umwelt global tödlich, fremd, bösartig, die Mitmenschen sowieso nur mit Vorsicht zu genießen. Auf welchem Kontinent sie herumtorkeln – scheißegal.

Worauf die Geschichte ebenso verzichtet ist eine gewisse Korrektheit, was Daten, Fakten, Anatomie, Waffen und anderen Kram betrifft. Die surreale Welt, das Durcheinander in den Gehirnen, Fetzen von Erinnerungen an ein voriges Leben, alles zusammen trägt zu einer gewissen Verzerrung der Wahrnehmung bei.

Keine der Figuren sieht, was tatsächlich vor sich geht, was wirklich ist, und wir als Leser erfahren diese Dinge auch nur gefiltert durch dieses eingeschränkte Weltbild. Damit einher geht natürlich ein Mangel an CSI-artiger Genauigkeit. Wenn eine Waffe irgendwo durch den Körper gezogen wird, dann erleben wir, was sich die Protagonisten denken, was passiert, aber nicht, was in Wirklichkeit geschähe. Weinn Kugeln Löcher in Körper reißen, dann sehen wir, was die Figuren wahrnehmen, nicht das, was dabei tatsächlich geschieht.

Wobei wir den Begriff der Wirklichkeit jetzt mal ganz vorsichtig benutzen und eine Diskussion darüber, wie wirklich unsere Wirklichkeit wirklich ist, schön unterlassen ;-)

Menschen, die tagtäglich ums Überleben kämpfen und bei jeder Begegnung darauf gefasst sein müssen, dass ihr Gegenüber ein Messer in ihre Eingeweide rammen könnte, zerbrechen sich eher weniger den Kopf darüber, wo sie wie die Waffe am schnellsten und effektivsten in den Körper rammen. Es geht um Ich oder Du. Adrenalin und lebensbestimmender Irrsinn überrennen alles andere. Vor allem Details. Aus dieser Perspektive heraus erzählt das Buch.

Ich würde nicht eine einzige Figur als … hüstel … normal nach unseren jetzigen Vorgaben bezeichnen. Soziopathisch, schlichtweg irre, gewaltbereit, sexbesessen, krankhaft, unter dem Einfluß von allerlei Dingen stehend und nicht in der Lage, die Welt klar und nüchtern zu sehen.

Die Reise von She durch diese Welt ist wie ein surrealer, böser Trip, der die Protagonistin von einem Extrem ins andere stolpern lässt. Die Leser stolpern mit ihr.

Der Sex in dem Buch ist pornografisch, überaus dreckig, zum Teil geil, zum Teil abstoßend. Menschlich eben. Ich lese sowas gerne und darum schreibe ich auch gern darüber. Nicht immer, auch hier gilt, die Geschichte gibt den Grad der Obszönität vor, und der Autor lässt diesen zu, soweit es für ihn machbar ist, seinen Neigungen entgegenkommt, und so weiter, und so weiter. So hält sich mein Odysseus Roman beim Fickkram ziemlich zurück, während die Erzählungen in Am Anfang war die Tat und Ferve der Dreckfresser teilweise sehr, sehr obszön sind.

Sex ist wohl eine der genialsten Erfindungen der Natur. Eine der schönsten Sachen, die man machen kann, sei es zu zweit, zu dritt oder allein. Sex gehört zu den »Jedem Tierchen sein Pläsierchen« Dingen, bei denen sich niemand niemals für irgendwas genieren soll, ganz egal was der Fetisch, die Begierde ist. (Die Kinderficker und Vergewaltiger sind hier absolut und definitv ausgenommen. Dafür kann und darf es keinerlei Verständis geben. Ich habe eine Frau und zwei Kinder und über Verständnis für derartige Dinge gibt es nach meinem Dafürhalten Nichts zu diskutieren.)

Und jetzt die Antwort auf die ungestellte, aber stets vorhandene Leserfrage, mit der wohl jeder Autor früher oder später konfrontiert ist: Es gibt wohl nicht viele Texte, in denen nicht irgendwo ein autobiografischer Zug auftaucht. In einem Detail, in einer Handlung, vielleicht auch nur in einem Wunschdenken einer Figur, oder sonstwo. Das ist bei den meisten Autoren so. Auch bei mir. Was jetzt selbst erlebt ist, aus meinem Umfeld stammt oder frei erfunden wurde – das mag sich jeder ausmalen wie er will. :-) Und nein, wir reden hier nicht von der Gewalt. So. Haha. Pfui, schmutzige Gedanken, die in Hirnen herumschwappen und raustriefen … :-)

Der Roman beinhaltet ein paar Anspielungen auf die Popkultur unserer Zeit. Die sind nach meinem Dafürhalten sehr leicht erkennbar und tatsächlich ohne tiefere Bedeutung. Ich habe sie schlicht und ergreifend zu meiner eigenen Unterhaltung eingebaut.

Apropos Unterhaltung, ich selbst lese gern solch rabiate Stoffe. Vermutlich darum schreibe ich sie auch gern. Ich finde Bücher, in denen es von Gewalt und Sex wimmelt geradezu entspannend. Habe ich immer schon, soweit ich mich erinnern kann. Das hat mit den Märchen der Gebrüder Grimm angefangen und die haben ja wirklich Hardcore Geschichten erzählt.

Mich setzten blutige, ordinäre, gewalttätige Bücher und Filme in eine entspannte, fröhliche Stimmung. Je extremer, je lieber. Meine höchst persönliche Erklärung dafür ist, dass kein erfundener Schrecken jemals so grausam und schlimm sein kann wie die Scheiße, die in der Wirklichkeit passiert. Buch zu, Film aus, Gefahr vorbei. Ganz einfach. Die alternative Theorie wäre, dass ich eine Spur Soziopath in mir trage – das wäre natürlich auch möglich. Aber das glaube ich nicht. Hmmm...

Ob mir das hier zu denken geben sollte (ein herzliches LOL!!) ?? -> Pressetext

Anspruch und Umfang ergeben sich aus der Geschichte, die es erzählt. Allgemein gesagt wird im Idealfall die Geschichte in der dafür geeigneten Sprache erzählt, die sich von selbst findet. Das mag mal komplex und anspruchsvoll sein wie ein Roman von Neal Stephenson oder so einfach und gradlinig wie ein, ach, sagen wir, Romanheft. Passen Sprache und Geschichte zusammen, dann sitzt die Sache. Es ist ohnehin ein wenig sinnlos, darüber zu diskutieren. Was für denen einen Leser zutrifft, mag für den anderen nichtmal im Ansatz stimmen. Was für das eine Buch des Autors passt, mag bei seinem nächsten Werk falsch sein, weil die dahinter stehende Absicht eine andere war. Also was soll's. Prinzessin ist ein kurzweiliger, schneller Roman, der sich mit Gore/Splatter/Sex beschäftigt und das auch so unumwunden ausdrückt.

Ich schreibe diesen Blogeintrag aus zwei Gründen. Zum einen macht es mir wirklich Freude, einfach über das Buch zu reden und vielleicht theoretisch oder praktisch am Schreiben interessierte Leser mit Glossen über das Verfassen eines Buches zu unterhalten. Zum anderen – ich will den Roman auch verkaufen und das Schreiben darüber ist eines der Werbemittel, die mir zur Verfügung stellen. Womit wir bei einem Thema sind, bei dem im deutschsprachigen Raum viel zu viel komisch herumgedruckst wird.

Autoren wollen mit ihrer Arbeit Geld verdienen. Schreiben ist ein Beruf und wie jeder Berufstätige will auch der Autor für seine Arbeit bezahlt werden. Ich habe noch nie verstanden, warum es hier so verpönnt scheint, darüber zu quatschen. Sieht man sich den Rest der Welt an, so gibt es dort diese Bedenken nicht. Da wird ganz offen und ungeniert darüber gesprochen. Autoren machen Werbung, sie fordern dazu auf, ihre Werke zu kaufen, ganz offensiv und ungeniert. Eigentlich logisch, oder? Vielleicht ist es eine Charaktersache, vielleicht hat es mit gewissen Neid- und Mißgunsttendenzen in der Bevölkerung zu tun, mit Mißtrauen, was weiß ich.

Auf alle Fälle bremst mich dieses im deutschsprachigen Raum übliche Schweigen und ich verzichte auf konkrete Zahlen. Bis zu einem gewissen Grad ist mir das zu intim, dazu … sagen wir ruhig, fürchte … ich einige meiner Mitmenschen und ihren Faible für destrukive Reaktionen doch zu sehr. Aber soviel schon: Nein, ich kann nicht vom Schreiben leben. So weit bin ich noch lange nicht und ich gehe mal davon aus, dass das auch nicht so schnell möglich sein wird. Es gibt nicht viele Autoren, denen dieses Kunststück gelingt und damit zu rechnen erscheint mir unvernünftig.

Prinzessin wird eine Fortsetzung erfahren. Ob es eine Trilogie wird hängt davon ab, ob sich der zweite Band auch vertretbar verkauft oder auch davon, ob die Geschichte danach tatsächlich noch weitergeht. Auf alle Fälle möchte ich in der einen oder anderen Form immer wieder in diese Welt von She zurückkehren. Es gibt eine fertige Geschichte, die 2014 rauskommen wird. Vielleicht gibt es noch die eine oder andere Erzählung, eine Novelle, vielleicht einen Roman, in der Welt von She, jedoch ohne sie. Wie auch immer.

Mit dem vorziehen der Fortsetzung verschiebt sich die Reihenfolge meiner weiteren geplanten Bücher um jeweils eins nach hinten, bleibt aber grundsätzlich bestehen.

So, und schlußendlich die letzte, ultimative, unverrückbar tiefsinnige Wahrheit über den Sinn eines Romans wie Prinzessin – sprich: wozu soll das Buch gut sein:

To have some mind-fucking fun.


Und zum krönenden Finale die unausweichliche Einladung, das Buch schnell und bequem gleich von hier weg käuflich zu erwerben.





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